Merseburg

Merseburg liegt an der Saale. Oberhalb des Flusses überragen die Türme von Dom und Schloss malerisch die Stadt.

Merseburg an der Saale

Merseburg ist seit Anfang des 10. Jahrhunderts einer der bedeutendsten deutschen Pfalzorte.

Von 933 bis 1213 tagten die deutschen Kaiser mehr als 20 mal in Merseburg. Die Stadt war Reichsmittelpunkt.

Am Westufer der Saale stand bereits im frühen Mittelalter eine Burg. Auf dem Domhügel wurde unter Heinrich I. eine nicht genau lokalisierbare Pfalz errichtet. Einen zweiten Pfalzbau förderte Otto I. Bis zu den Staufern sind 69 Königsaufenthalte belegt.

Römisch-deutsche Könige / Kaiser Regierungszeit
Heinrich I.  919 -  936
Otto I.  der  Grosse  936 -  973
Otto II.  973 -  938
Otto III.  938 -  1002
Heinrich II. 1002 - 1024
Konrad II. 1024 -1039
Dom in Merseburg

Vor der grossen Schlacht am Lechfeld am 10. August 955 gegen die Ungarn schwor Otto der Grosse im Angesicht seiner heiligen Lanze: "Im Falle eines Sieges werde ich dem Tagesheiligen ein Bistum in Merseburg errichten."

Die heilige Lanze Der Tagesheilige war der hl. Laurentius. Das Erzbistum wurde 968 gegründet. Die heilige Lanze  ist heute in der Schatzkammer in Wien zu besichtigen und wir stehen vor der Dom "St. Johannes der Täufer und Laurentius" in Merseburg.

Gebaut wurde der Dom allerdings erst Jahre später von Heinrich II., der unter seinen Pfalzorten Merseburg deutlich bevorzugte. Von diesem Bau ist heute noch die 1036 begonnene Krypta erhalten. Um 1280 wurde der Dom mit viel beachteten Glasmalereien ausgestattet, die allerdings später verloren gingen und 1947-1960 von Charles Crodel in moderner Fortschreibung der mittelalterlichen Formensprache ersetzt wurden. 1510 bis 1517 wurde das Langhaus neu gebaut.

Schloss und Dom Merseburg

Das Merseburger Schloss wurde unter Bischof Heinrich von Warin (1245-65) auf dem Pfalzgelände angelegt. Unter Bischof Thilo von Trotha (1466-1514) erfolgte der Neubau und unter Herzog Johann Georg I. von Sachsen ab 1605 ein Um- und Erweiterungsbau durch Melchior Brenner. 1944/45 wurde der Ostflügel zerstört, der 1971 wieder aufgebaut wurde.

Von 1656 bis 1738 war das Schloss die Residenz der Herzöge von Sachsen-Merseburg. Der Dom wurde als Hofkirche genutzt. Seit 1815 ist das Schloss der Sitz der Verwaltung.

Ladengastsche Orgel

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Ich habe selten eine so schöne Orgel wie in diesem Dom gesehen. Leider habe ich sie nicht gehört.

In der Barockzeit diente der Merseburger Dom der im angrenzenden Schloß residierenden Nebenlinie der Dresdener Wettiner Sachsen-Merseburg als Hofkirche. Er verdankt dieser „Herzogszeit“ den Hauptaltar (1668), das monumentale Portal zur Fürstengruft (1670) und vor allem die Orgel, die nach einem ersten Neubau 1665/66 ab 1693 noch einmal vollständig erneuert wurde und 1697 auch einen neuen Prospekt erhielt.

Damals mit großer Selbstverständlichkeit in den spätgotischen Langhausraum eingefügt, als wäre dieser für ihn gebaut worden – so beherrscht dieser prächtige Barockprospekt noch heute den Dom: Bis ins Gewölbe aufgetürmt, füllt er den Raum zwischen den Türmen

Das Werk, wohl schon 1693 von Zacharias Theisner begonnen, hat nicht richtig funktioniert. Der Orgelbauer Johann Friedrich Wender aus Mühlhausen musste 1714 das Werk technisch gründlich überarbeiten.

Die feierliche Orgelweihe erfolgte erst am 17. Oktober 1717. Für die lange Zeit zwischen der Abnahme sind Arbeiten am Prospekt vermutet worden. 1734 erhielt der Silbermann-Schüler und -Mitarbeiter Zacharias Hildebrandt 1734 den Auftrag, mehrere neue Register einzufügen.

Etliche mehr oder weniger umfangreiche Reparaturen folgten, die alle nicht zufrieden stellend waren.

Es war Friedrich Ladegast (1818-1905) aus Weißenfels, der große mitteldeutsche Orgelbauer des 19. Jahrhunderts, den dieser Orgelbau berühmt machen sollte.

Er hat 1853 bis 1855 in das alte Barockgehäuse ein vollständig neues Werk hineingebaut, das in 81 Registern nunmehr insgesamt fast 5700 Pfeifen und das alte Stahlspiel enthielt - seinerzeit eine der größten Orgeln in Deutschland.

Franz Liszt hat an dem Bau dieses orgel- und musikgeschichtlich bedeutsamen Instruments, der ersten romantischen Großorgel Mitteldeutschlands, lebhaften Anteil genommen und sich durch sie zu seinen bedeutendsten Orgelwerken anregen lassen. Die Orgelweihe am 26. September 1855 stieß auf ein begeistertes Echo.

In einer umfassenden Erneuerung von 2001 bis 2004 wurde die Orgel in der Ladegastschen Disposition wiederhergestellt und ihr so weit wie möglich das Ladegastsche Klangbild von 1866 zurückzugeben.

Merseburger Kapitelhaus

Das in seinen Ursprüngen bis auf das 12. Jahrhundert zurückzuführende Kapitelhaus war bis in das 19. Jahrhundert das Verwaltungs- und Repräsentationsgebäude des Merseburger Domkapitels. Vor allem aufgrund der repräsentativ ausgestatteten und mit Fresken versehenen Räumlichkeiten zählte das Kapitelhaus zu den schönsten spätgotischen Gebäuden in Deutschland.

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Gertrud

Auf der Suche nach Gertrud:

Ihr Vater Lothar der III, Herzog von Sachsen wollte nach dem Tode von Kaiser Heinrich V. unbedingt zum König gewählt werden. Dazu schloss er ein Bündnis mit dem Herzog von Bayern, Heinrich dem Schwarzen aus dem Haus der Welfen. Er würde seinem Sohn, Heinrich dem Stolzen seine einzige erbberechtigte Tochter Gertrud zur Frau geben. Gertrud war zum Zeitpunkt der Vereinbarung gerade 10 (zehn) Jahre alt. Lothar wurde in Mainz am 24. August 1125 zum deutschen König gewählt, aber mit der Hochzeit musste noch zwei Jahre zugewartet werden. Gertrud war noch nicht "heiratsfähig".

Zu Pfingsten 1127, auf einem Hoftag im Beisein zahlreicher Großer am 22. Mai in Merseburg, gab der König Heinrich dem Stolzen seine "einzige und geliebte" Tochter Gertrud mit "großer Pracht zur Ehe". Sieben Tage später fand auf dem Gunzele bei Augsburg, im Zentrum welfischer Herrschaft, das glanzvolle Hochzeitsfest statt. Aus Sachsen hatte der Herzog seine neue Gattin geholt. Im Lechrain, im Grenzland von Schwaben und Bayern, präsentierte er die Königs-Tochter seinen bayerischen und schwäbischen Großen, um sie dann in die welfische Heimat nach Ravensburg heimzuführen.

In Merseburg wurde über Gertruds Schicksal bestimmt, begraben ist sie hier nicht.