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Kaiserin Elisabeth
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Lieber Leser, die Zukunftsseelen, das sind wir. Sisi hat eine Botschaft an uns:

Liebe Zukunfts-Seele!
Dir übergebe ich diese Schriften. Der Meister hat sie mir dictiert, und auch er hat ihren Zweck bestimmt, nämlich vom Jahre 1890 an in 60 Jahren sollen sie veröffentlicht werden zum besten politisch Verurteilter und deren hilfebedürftigen Angehörigen. Denn in 60 Jahren so wenig wie heute werden Glück und Friede, das heißt Freiheit auf unserem kleinen Sterne heimisch sein. Vielleicht auf einem Andern? Heute vermag ich Dir dies nicht zu sagen, vielleicht wenn Du diese Zeilen liest - Mit herzlichem Gruß, denn ich fühle Du bist mir gut,
Titania

Geschrieben im Hochsommer des Jahres 1890, und zwar im eilig dahinsausenden Extrazug

(Elisabeth identifizierte sich in ihren Gedichten mit der Feenkönigin Titania aus Shakespeares "Sommernachtstraum")

Mit diesem berühmten Brief hat Kaiserin Elisabeth von Österreich den „Zukunftsseelen“  ihre Gedichte anvertraut. Als „Zukunftsseelen“ bezeichnete sie die Menschen, die ab 1950 lebten, dem Jahr, in dem die in Bern aufbewahrte Kassette geöffnet und ihre Gedichte, ihre intimsten Gefühle, Wünsche, Erlebnisse ihnen zugänglich gemacht werden sollte. Denn Elisabeth war von den zu ihrer Zeit lebenden Menschen enttäuscht und fühlte sich meistens von ihnen missverstanden. Ihre Hoffnung lag darin, dass die Zukunftsseelen fortschrittlicher, moderner und offener ihren Ideen, ihrem Leben gegenüber sein würden. Ein letzter Versuch, verstanden zu werden.

Als sich 1889 ihr Sohn, der damals 30-jährige Kronprinz Rudolph, mit seiner Geliebten im Jagdschloss Mayerling das Leben nahm, verstärkten sich die Schwermut und Melancholie der Kaiserin bis hin zur Todessehnsucht. Sie gab sich die Hauptschuld am Selbstmord ihres Sohnes und erholte sich nie von diesem schweren Schicksals-schlag. Vom Todestag ihres Sohnes an trug sie nur noch schwarz und beschäftigte sich zunehmend mit Toten: Achilles, Heinrich Heine und ihr verstorbener Vetter Ludwig II wurden zu ihren stetigen Weggefährten im Geiste. Auch von ihrem eigenen Tod träumte und phantasierte die gebrochene Sisi und wünschte ihn sich in ihren Gedichten herbei:

Ich fliehe vor der Welt samt ihren Freuden,
und ihre Menschen stehen mir heut fern;
es sind ihr Glück mir fremd und ihre Leiden;
Ich stehe einsam, wie auf and`rem Stern...
(An die "Zukunfts-Seelen" 1887)

Verlassen
Wie war ich einst so jung und reich
An Lebenslust und Hoffen;
Ich wähnte nichts an Kraft mir gleich,
Die Welt stand mir noch offen.

ich hat geliebt, ich hab gelebt,
Ich hab' die Welt durchzogen;
Doch nie erreicht, was ich erstrebt.
Ich hab und ward betrogen".
(Gödöllö 1886)

An meinen Meister
Es schluchzt meine Seele, sie jauchzt und sie weint,
Sie war heute Nacht mit der Deinen vereint;
Sie hielt Dich umschlungen so innig und fest,
Du hast sie an Deine mit Inbrunst gepresst.
Du hast sie befruchtet, Du hast sie beglückt,
Sie schauert und bebt noch, doch ist sie erquickt.
O könnten nach Monden aus ihr auch erblüh´n
so wonnige Lieder, wie Dir einst gedieh´n! -
Wie würde sie hegen, die Du ihr schenkst,
Die Kinder, die Du, Deine Seele getränkt.
(Winterlieder: Wien, Januar 1887, ein Gedicht für Heinrich Heine)

An die Gaffer
Ich wollt´, die Leute liessen mich
In Ruh´ und ungeschoren,
Ich bin ja doch nur sicherlich
Ein Mensch, wie sie geboren.
Es tritt die Galle mir fast aus,
Wenn sie mich so fixieren;
Ich kröch´ gern in ein Schneckenhaus
Und könnt´ vor Wut krepieren.
Gewahr´ ich gar ein Opernglas
Tückisch auf mich gerichtet,
Am liebsten sähe ich gleich das,
Samt der Person vernichtet.
(Winterlieder: Cromer, Norfolk 1887)

An die Zukunftsseelen
Ich fliehe vor der Welt samt ihren Freuden,
und ihre Menschen stehen mir heut fern;
es sind ihr Glück mir fremd und ihre Leiden;
Ich stehe einsam, wie auf and`rem Stern...
(1887, Gedicht an "die Zukunftsselen", wie Kaiserin Elisabeth die Nachwelt nannte)

An meinen Ehgemal
Sag´ an mein trauter Ehgemal,
Was willst du wohl bezwecken?
Mir däucht, zur allgemeinen Qual
Bleibt schier Dein Fuhrwerk stecken.
Das Es´lein, das Du vorgespannt,
Es kann schon nimmer weiter;
Zu tief hat sich´s im Dreck verrannt;
O, wär´ es nicht gescheidter,
Du fingest jenen edlen Gaul
Dort, auf der Weide,
Und zwängest ihm den Zaum in´s Maul,
Nicht morgen, nein nicht heute.
Schon einmal riss er aus dem Dreck
Dir den verfahr´nen Karren,
D´rum jag´ Dein dickes Es´lein weg
Eh´ man Dich hält zum Narren.
(Drittes Buch: London, April 1888)

Ich bin so scheu...
Ich bin so scheu wie meine Rehe,
Und wie die weisse Damhirschkuh
Entflieh´ ich, wo ich Menschen sehe
In meines Waldes grüne Ruh´!
Mein Wald! Im lichten Maienkleide
Vom Lenze blendend schier geschmückt,
Wie bist du meines Herzens Freude,
Wie macht mich deine Pracht verrückt.
Es ruft mir aus den Laubdachästen
Der Kuckkuck zu, mein alter Freund;
Wir treffen uns in Ost und Westen,
Und jeder Mai hat uns vereint.
Auch ich will so lange weilen
Als jener Fruchtbaum Blüten trägt,
Und in der Ferne einst enteilten,
Wenn er sein Brautkleid abgelegt.
(Ischl 1888)

An die Zukunfts-Seelen
Ich wandle einsam hin auf dieser Erde,
Der Lust, dem Leben längst schon abgewandt;
Es teilt mein Seelenleben kein Gefährte,
Die Seele gab es nie, die mich verstand."
(Poetisches Tagebuch S. 214)