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Zur Geschichte von Heinrich II. Jasomirgott (* 1107; † 13. Januar 1177 in Wien)

Heinrich II. Jasomirgott, Denkmal am Rathausplatz in Wien

Heinrich II. Jasomirgott, Denkmal am Rathausplatz in Wien

Zur Zeit von Heinrichs Geburt ist Österreich eine Grafschaft innerhalb des Herzogtums Bayern. Heinrich Jasomirgott's Vater ist der österreichische Markgraf Leopold III. Seine Mutter, Leopold's Frau Agnes ist die Tochter von Kaiser Heinrich IV. (aus dem Geschlecht der Salier).

Heinrich II. verwaltet von 1140 bis 1141 als Pfalzgraf bei Rhein die Besitztümer der Mutter Agnes. Das mit Kurpfalz bezeichnete Territorium entspricht den heutigen deutschen Bundes­ländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Teilen von Bayern (Obere Pfalz), Saarland, dem Gebiet der heute deutschsprachigen Schweiz, sowie der heute zu Frankreich gehörigen Region Elsass. Das Zentrum war Heidelberg.

Der Nachfolger des Babenberger Markgrafen Leopold III. als Markgraf von Österreich wird zunächst ein anderer Sohn von Leopold III., nämlich Leopold IV.


Um die Geschichte zu verstehen, muss man etwas weiter ausholen. Nach dem Tod des Kaisers Heinrich V. wurde der Sachse Lothar III. von Supplinburg zum deutschen König gewählt. Um die Wahl zu gewinnen hatte er seine einzige Tochter Gertrud dem Sohn des Bayernherzogs aus dem Geschlecht der Welfen versprochen. Zur unserer Verwirrung hiess auch dieser Welfensohn und jetzt Schwiegersohn von Lothar: "Heinrich", später wurde er als 'Heinrich der Stolze' bezeichnet. Lothar baute seine Schwiegersohn als Nachfolger für die deutsche Königskrone auf und belehnte ihm mit den Herzogtümern Sachsen und Bayern und er wird Markgraf von Tuskien (Italien). Nach Lothar's Tod war Heinrich der Stolze für die deutschen Fürsten zu mächtig. Sie wählten Konrad III. aus dem Geschlecht der Staufer zum König.

Konrad III. entmachtet Heinrich den Stolzen. Er bannt ihn und entzieht ihm all seine Lehen. Das Herzogtum Sachsen geht an Albrecht den Bären und Bayern and den Babenberger Leopold IV.

Eine ideale Voraussetzung für einen Konflikt, den man im Mittelalter gewöhnlich am Schlacht­feld löst. So kommt es zu einer Reihe von Schlachten.

Auf Seite der Staufer: Konrad III und Leopold IV.

Auf Seite der Welfen: In Sachsen: Heinrich der Stolze und nach seinem plötzlichen Tod (Mord) sein minderjähriger Sohn Heinrich der Löwe unterstützt von der Grossmutter Richenza und der Mutter Gertrud.
In Bayern: Welf III., ein Bruder von Heinrich dem Stolzen.

Als Richenza und auch Leopold IV. überraschend starben, bot sich für den deutschen König Konrad III. die einmalige Gelegenheit den Streit zwischen den Welfen und den Staufern um die Nachfolge der Herrschaft über die Herzogtümer Sachsen und Bayern beizulegen.

Im Januar 1142 kam es in Braunschweig zu einer Unterredung zwischen Konrad III. und Gertrud von Supplinburg. Folgendes wurde vereinbart:

König Konrad vermittelt die Ehe als Bestandteil des Friedenspakets. Dadurch wurde Gertrud Herzogin von Bayern und Heinrich Jasomirgott kommt unverhofft zu seiner ersten Frau. Als er von der geplanten Heirat erfuhr soll er gesagt haben, er freue sich, dass sie ihm nicht nur das Herzogtum Bayern bringt, sondern auch noch sehr schön sei. Die Hochzeit wurde ausgiebig gefeiert.

Jasomirgottbrunnen im Hof des Schottenstifts

Jasomirgottbrunnen im Hof des Schottenstifts

Mit dieser Lösung sollten alle Konflikte beseitigt sein und die Familien­bande sollte künftige Streiter­eien ver­hindern.

Dieser Friede hielt genau ein Jahr, denn dann starb Gertrud an den Folgen einer schweren Geburt. Ihr Sohn, der inzwischen grossjährige Heinrich der Löwe verlangte das Herzogtum Bayern zurück. Heinrich Jasomirgott weigert sich.

Die Streitigkeiten werden durch einen Kreuzzug unterbrochen. Heinrich Jasomirgott lernt in Byzanz Prinzessin Theodora aus dem byzantinischen Kaiserhaus der Komnenen kennen und heiratete sie.

Der neue Kaiser Friedrich I. Barbarossa versuchte nun einen Ausgleich mit den Welfen zu finden und belehnte 1156 Heinrich den Löwen mit Bayern (zusätzlich zu Sachsen). Nun musste für den Babenberger ein Ersatz gefunden werden: Diese Entschädigung war das Privilegium minus, durch das Österreich ein von Bayern unabhängiges, selbständiges Herzogtum wurde.

Heinrich Jasomirgott verlegte den Sitz der Babenberger von Klosterneuburg nach Wien.

Das Reich der Babenberger (Bayern und Schwaben) ist gewaltig geschrumpft auf das Gebiet von Niederösterreich. Aber das neue unabhängige Herzogtum Österreich mit seiner neuen Hauptstadt Wien war geboren.

1156 wurde Wien Residenz des neuen Herzogtums und durch die Anwesenheit des Hofes auch zum kulturellen Zentrum des Landes. Nachdem die Siedlung noch im 11. Jahrhundert kaum zwei Drittel des römischen Lagers bedeckte, vergrösserte sie sich so sprunghaft, so dass Herzog Heinrich II. seine neue Residenz an der Westmauer der Stadt errichten musste. Der Gutshof, der vermutlich bereits existiert hatte, erhielt einen Palas und Wirtschafts-, Verwaltungs- und Wohnbauten sowie Vorratsgebäude, sämtlich um einen Hof angeordnet. „Am Hof“ entwickelte sich bald ein glanzvolles höfisches Leben. Heinrich II. und seine zweite Gemahlin Theodora bewirteten hier zwei Wochen lang Kaiser Friedrich I. Barbarossa.

Bauwerke, die auf Heinrich Jasomirgott zurückgehen sind: die zweite romanische Erweiterung der Stephanskirche, das Schottenkloster in Wien und der Neubau des Klosters Heiligenkreuz, das sein Vater Leopold III. gegründet hat. Er ersetzte die Holzbauten mit solchen aus Stein.

Wir verdanken ihm unser heutiges "Wien". Er hat die Voraussetzungen geschaffen, dass Wien zur Weltstadt wurde. Er hat die ursprünglich römischen Stadtmauern wieder instand gesetzt. Ein winziger Rest davon ist im Hof des Hauses Maria am Gestade Nr. 5 übrig geblieben (Bild links, der Hof ist nicht öffentlich zugängig).

Grösseres Bild vom Hof des Altwiener Hauses.

Römische Stadtmauer

Plan von Wien des Heinrich II., Jasomirgott (Mitte 12 Jh.)

Das Wien des Heinrich II., Jasomirgott (Mitte 12. Jh.)

Heinrich II. Jasomirgott:

Grab vom Babenbergerherzog Heinrich II Jasomirgott in der Krypta der Schottenkirche in Wien

Letzte Ruhestätte von Heinrich Jasomirgott und seiner zweiten Frau Theodora in der Krypta der Schottenkirche in Wien

Gertrud

Auf der Suche nach Gertrud:

Im Schottenstift in Wien hat Heinrich II. Jasomirgott gemeinsam mit seiner zweiten Frau Theodora seine letzte Ruhestätte gefunden. Mit Gertrud seiner ersten Frau war Heinrich nur ein Jahr verheiratet, dann ist sie bei der Geburt ihrer Tochter gestorben. Gertrud von Supplinburg ist hier nicht begraben.