Wallfahrtskapelle Unserer Lieben Frau in Hergiswald

Der Jakobsweg führt zur Hergiswaldner Holzbrücke. Von dort führt der sogenannte "Prügelweg" hinauf zur Wallfahrtskapelle Unserer Lieben Frau in Hergiswald. Seit dem Jahr 2009 hat man am Weg 20 rosa Stelen aufgestellt, die die Geheimnisse das Rosenkranzes symbolisieren und nennt den Weg jetzt auch Rosenkranzweg.

Anfänglich war Hergiswald kein marianischer Gnadenort, sondern die Wallfahrt entstand aus der abgeschiedenen Einsiedelei eines Waldbruders. 1489 liess sich Johann Wagner aus Riedlingen an der Donau hier nieder, nachdem er 13 Jahre als Kartäuser im Kloster Ittingen an der Thur gelebt hatte. Der Mann wollte nach dem Vorbild des zwei Jahre zuvor verstorbenen Bruder Klaus in der Wildnis und Einöde der Berge ein gottgeweihtes Leben führen. „Zwei Steinwurf“ unterhalb der heutigen Kirche soll der Eremit, von einem überhängenden Felsen geschützt, in einer Art Höhle gelebt haben. Nur an Sonn- und Feiertagen stieg er hinab nach Kriens und Luzern, wo er die Messe besuchte und Almosen sammelte. Vornehme Stadtadlige, allen voran die Patrizierfamilie von Wyl, der das Waldstück gehörte, wurden auf den Einsiedler aufmerksam und liessen ihm zwischen 1501 und 1504 ein einfaches Bethäuschen mit Altar errichten – das erste Gotteshaus in Hergiswald. Bald wurde der Ort von immer mehr Menschen aufgesucht. Als der Waldbruder Hans Wagner 1516 starb, wurde er gemäss seinem Wunsch in der Kapelle beigesetzt. Noch Jahre danach soll aus dem Grab des Einsiedlers ein heller Glanz emporgestiegen sein. Zu Beginn des 17. Jh., als das Wallfahrtswesen einen weiteren Aufschwung erlebte, wurde die alte Eremitenkapelle für den Ansturm der vielen Besucher zu klein. Eine von der Familie von Wyl gestiftete neue "Capell" unser Lieben Frau im Hergiswald wurde 1621 eingeweiht. Das silberne Gnaden- bild der "Patrona Lucernae" vermittelte dem Marienkult in Hergiswald zusätzlichen Anstoss. Die treibende Kraft hinter dem weiteren Ausbau der Kapelle zur heutigen Wallfahrtskirche war der Luzerner Patrizier und Kapuziner Ludwig von Wyl (1594-1663). 1645 schrieb er dem Luzerner Rat, die Mutter Gottes persönlich habe ihm nachts aufgetragen, im Hergiswald eine "Santa Casa" zu bauen: eine massstabgetreue Nachbildung des Hauses von Nazareth, dessen Original gemäss der Legende 1291, als die Kreuzfahrer Palästina endgültig verlassen mussten, von Engeln wunderbarerweise via Dalmatien ins italienische Loretto gebracht worden war.

Der Innenraum beeindruckt durch die spätbarocke Fülle und die vollständig ausgemalte Holzkassettendecke. Der Luzerner Maler Kaspar Meglinger (1595-ca.1670) hat hier ein Bildprogramm mit 324 Bildtafeln umgesetzt. Es sind Sinnbilder und Embleme, die weitgehend aus der Lauretanischen Litanei übernommen sind, zum Lobpreis der Himmelskönigin und „Patrona Lucernae.

Innenraum der Wallfahrtskirche Hergiswald

Am Hochaltar gibt es ein Engelfenster. Es gehört zum dahinter liegenden "Santa Casa". Dort steht: Haus, das dem von Loretto nachgebildet ist, in welchem die Heilige Jungfrau Maria ohne Erbsünde empfangen wurde. Auf wunderbare Weise geboren. Während drei Jahren genährt. Vom Engel Gabriel gegrüsst. Vom Heiligen Geist empfangen. Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

An der Altarswand sieht man das Bild der Verkündigung. Der Engel Gabriel ist zu Maria nach Nazareth gekommen und hat ihr die Botschaft überbracht, sie werde ein Kind gebären, der Sohn Gottes sein wird. Die Lauretanische Tradition beginnt aber mit der Geburt Marias. Diese ist im Relief beim ursprünglichen Altartisch dargestellt.

In der im Chor eingebauten „Lorettokapelle, gestiftet vom französischen König Ludwig XIV., befindet sich als Wallfahrts- bild eine Schwarze Madonna.


Falls noch irgendwelche Fragen sind, wie das Haus der Maria von Nazaret nach Loretto kommt, wird das auf einem Bild vor der Lorettokapelle beantwortet.

Vier Engel tragen das Haus hier gerade über den Vierwaldstättersee. Links sieht man Luzern mit dem Steg zur Hofkirche, rechts die Kirche von Hergiswald.

In einer Mauernische im Inneren der Kirche befindet sich die letzte Ruhestätte von Johann Wagner, dem Gründer von Hergiswald.