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Die Legende erzählt, Markgraf Leopold III. habe das Stift Klosterneuburg an jener Stelle gegründet, wo er den verlorenen Brautschleier seiner Gattin auf einem Holunderbaum fand. Dieser Bericht ist völlig unhistorisch. Der Ursprung des Kollegiatstiftes liegt bis heute im Dunkel. Es ist nicht einmal sicher, daß es sich um eine Babenberger Gründung handelt, denn in der Frühzeit sind Beziehungen des Stiftes zu niederbayrischen Adelsfamilien nachweisbar, wie z. B. zu einem Grafen Walter von Chling. Das Datum der Gründung ist unbekannt. Man wird diese etwas vor 1100 ansetzen dürfen, sofern man nicht an der unbewiesenen und kaum haltbaren Vermutung festhält, das von Kaiser Heinrich III. 1051 gegründete Kollegiatstift Deutsch-Altenburg-Hainburg sei nach Klosterneuburg verlegt worden.

Gemälde in der Jesuitenkirche in Wien: Leopold III findet den Schleier

Leopold III findet den Schleier, Jesuitenkirche Wien

Sicher ist jedoch, dass sich das Stift Klosterneuburg im Besitz des Markgrafen Leopold III. befand: Er stattete es mit reichen Schenkungen aus und erbaute an der Stelle eines älteren Gotteshauses 1114—1136 die heutige Stiftskirche, damals die größte Kirche des Landes. Seine Residenz könnte der Markgraf zunächst in der alten Stadtburg auf dem Areal des alten Römerkastells aufgeschlagen haben (in Klosterneuburg hatte seit dem 1. Jh. n. Chr. ein römisches Kastell bestanden). Als er dann das Stift großzügig beschenkte und aus­baute, dürfte er bei dieser Gelegenheit bereits einen neuen Burgtrakt, das heutige Stiftsarchiv, für sich geplant haben. Landesfürstliche Residenz und Stift bildeten eine Einheit.

Zu einem Wendepunkt in der Geschichte Klosterneuburg kam es, als der Markgraf im Jahre 1133 das bis dahin weltliche Kollegiatstift in ein Kloster von Regularkanonikern (Augustiner-Chorherren) umwandelte. Den Anstoß dazu gab sein Sohn Otto, bisher Propst von Klosterneuburg, der in Morimond in den neu­gegründeten, strengen Zisterzienserorden eingetreten war. Er und die österreichischen Bischöfe bewogen Leopold III. dazu, auf sein Eigenkirchenrecht und seine kirchenpolitischen Pläne zu verzichten und sein Residenzkloster zu einem Zentrum der Kirchenreform zu machen. Das Kloster blieb dem Haus der Babenberger aufs engste verbunden. Als Leopold III. 1136 starb, fand er im Kapitelsaal zu Klosterneuburg seine Ruhestätte, ebenso seine Gemahlin Agnes, die Tochter Kaiser Heinrichs IV. Viele Nachkommen des Stifterpaares wurden gleichfalls hier begraben.

Das Stift Klosterneuburg war wie alle Augustiner-Chorherrenklöster im Hochmittelalter ein Doppelkloster, denn neben dem Herrenstift bestand ein Kloster für Chorfrauen (dieses starb erst 1568 aus). Das Stift stand nicht nur unter päpstlichem Schutz, sondern war auch stets eine Pflegestätte streng kirchlichen Geistes. Hand in Hand damit ging eine rege kulturelle Tätigkeit: die im Stift geschriebenen und illuminierten Manuskripte, die Annalenschreibung, die theologische Tätigkeit der Chorherren und nicht zuletzt eine ganze Reihe von erlesenen Kunstwerken, deren berühmtestes der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun ist, legen ein beredtes Zeugnis dafür ab.

Seit Leopold III. der Klosterneuburg sehr reich beschenkt hatte, wendeten die Landesfürsten dem Stift ihre Gunst zu. Sie hatten die Schutzvogtei über das Kloster inne.

Schenkungen und Privilegien sicherten den materiellen Bestand des Stiftes. Neuer Glanz zog in Kloster­neuburg ein, als Herzog Leopold VI. bald nach seinem Regierungsantritt am Ende des 12. Jh. seine Residenz hierher verlegte. Er baute die alte Stadtburg Leopolds III. prächtig aus und ließ die ,,Capella speziosa“ als Burgkapelle errichten, das erste Werk burgundischer Gotik in unserer Heimat. In der Klosterschule zu Neuburg, wo er Unterricht erhielt, verunglückte des Herzogs ältester Sohn Leopold im Jahre 1216 tödlich. Bald darauf verlegte Leopold VI. seine Hofhaltung wieder nach Wien, und für Klosterneuburg ging abermals eine glanzvolle Epoche zu Ende. Auch wirtschaftliche Schwierigkeiten erwuchsen dem Stift. Das Ende der Babenberger bedeutete für Klosterneuburg zugleich das Ende einer glücklichen Periode. Erst im 14. Jh. konnte das Stift eine neue Blüte entfalten.

Quelle: Katalog der NÖ - Landesaustellung 1976 "1000 Jahre Babenberger in Österreich"