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15. bis 17. Mai 2009

Bericht von Heike

Freitagmorgen trafen sich zwölf Personen von UBS Berg und Ski zur Wanderung auf dem Jakobsweg von Romont nach Lausanne. Yvonne Z. war am Freitagabend anderweitig aktiv und hatte ihre Teilnahme für den Samstagmorgen angekündigt. Wenn ich mich umschaute am Morgen, Treffpunkt 7.15 Uhr unter der grossen Uhr, war nur Tommaso ein neues Gesicht. Aber recht zünftig ausgerüstet mit geschnitztem Wanderstab und Jakobsmuschel wie aktive Pilger. Er hat auch schon etwas geschnuppert auf dem Jakobsweg in Spanien. Für den „harten Kern“ der Wandergruppe war es die Fortsetzung vom letzten Jahr, wo wir von Brünig nach Romont unterwegs waren und wegen Regen Romont nach Moudon verschoben hatten.

Die SBB meldete am Morgen per Lautsprecher Probleme mit der Lokomotive unseres Zuges an. Aber die Verspätung machte nur wenige Minuten aus. Mit Umsteigen erreichten wir bald einmal Romont. Gerhard traf eine gute Entscheidung. Der Wetterbericht hatte uns vorgewarnt, dass mit Regen zu rechnen sei. Der graue Himmel verhiess auch nichts Gutes, so verschoben wir den Kaffeehalt auf später und marschierten los. Wir genossen eine schöne Wanderung und die Aussicht auf Romont und die Alpen. Wir gelangten zur Kapelle St. Bernard.

Die dem hl. Bernhard geweihte Kapelle wurde 1653 auf dem Praz-de-l'Hostoz erbaut und gegen 1870 restauriert. Otto erzählt uns noch einiges zum Thema „hl. Bernard“.

Im Tal der Broye sahen wir Lucens mit dem markanten Schloss. Bald erreichten wir Curtilles.

Der Ort Curtilles wurde im 11. Jahrhundert vom Lausanner Bischof gegründet. Es war am Eingang genau beschrieben, wo der Schlüssel zur Kapelle geholt werden konnte. Gerhard und Otto begaben sich auf den Weg.

Die reformierte Sattelkirche Notre-Dame, Gründung 11. Jahrhundert, ist ein bedeutendes Kulturdenkmal. Der heutige Bau geht auf die Neukonstruktion um 1230 zurück, während der rechteckige Chorteil erst später, im spätgotischen Stil des 16. Jh. erstellt wurde. Die Kirche enthält Wand- und wunderschöne Glasmalereien aus dem 14. und 15. Jh.

Beim Café Fédéral machten wir den langersehnten Kaffee-Halt. Es war bereits nach dreizehn Uhr, so dass die Mittagsgäste das Lokal verlassen hatten. Nachdem wir die Mittagsrast mit Picknick auf einem improvisierten Platz abgehalten hatten, freuten sich alle auf etwas „Kultur“. Die meisten von uns bestellten einen Kaffee mit „Schuss“. Walter Z. war so im Schuss, dass er den feinen Schnaps ausleerte, aber für seine Liesbeth war ihm nichts zu teuer, so bestellte er einen zweiten.

Unser nächstes Ziel war Moudon, wo wir unser Quartier für die nächste Nacht beziehen sollten. Wir marschierten durchs Broyetal. Inzwischen hatten wir die Regenausrüstung montieren müssen. Aber es wanderte sich trotzdem angenehm, es war ja windstill. Im Hotel „Chemin de Fer“ bezogen wir schnell unsere Zimmer, Elsbeth und Irene waren im Hotel „Bahnhof“ untergebracht. Gerhard und Otto erwarteten uns zur Besichtigung von Moudon (513 m/3000 Einwohner). Das Städtchen entzückt durch seine malerische Lage an der Broye und im Waadtländer Hügelgebiet. Der Eindruck wird noch verstärkt durch die spätgotischen Bürgerhäuser, den viereckigen Broye-Turm aus dem 12. Jh., Schloss Rochefort (1595 – jetzt Heimatmuseum), Schloss Billens (1677) und weitere Wohnbauten aus dem 18. Jh. Aber wir machten uns Gedanken, wie die Menschen im Winter den Weg in die Oberstadt bewältigen – er führt sehr steil hinauf und somit auch hinab. Der Höhepunkt war natürlich die Besichtigung der „Eglise St. Etienne“. Sie ist heute reformiert, sie entstand Ende des 13. Jh. und ist eine der schönsten frühgotischen Bauten unseres Landes. Der archaisch wirkende Turm wurde ohne viele Umstände eingefügt. Er gehörte früher zur Ringmauer. In der Kirche verdient das holzgeschnitzte Chorgestühl der Brüder Vuarsel von 1499/1502 besondere Beachtung – und für uns Wanderer auf dem Jakobsweg ist es wichtig, einen schönen Stempel im Pilgerpass zu bekommen. Moudon hat sicher allen gut gefallen, es ist ein interessantes Städtchen.

Wir waren heute wieder einige Stunden gewandert (14,3 km), so dass wir uns auf einen gemütlichen Abend freuten. Yvonne M. und ich lobten das schöne, helle Zimmer und freuten uns auf eine Dusche. Das Abendessen durften wir in einem schönen Saal einnehmen. Wir konnten wählen zwischen Cordon bleu und Fisch mit feinem gemischten Salat. Dazu genossen wir einen guten Tropfen Roten. Ich glaube, jeder freute sich heute auf sein Bett, denn für den kommenden Tag stand wieder eine grössere Tour auf dem Programm Moudon – Chalet à Gobet, 20 km.

Nach einem guten Kaffee und frischem Brot mit Confi und Käse warteten wir um 9 Uhr am Bahnhof auf Yvonne Z., die pünktlich ankam. Alle freuten sich über den schönen Morgen mit fast blauem Himmel. Von Moudon führte der Weg über Bressonnaz, wo wir auf einer alten Steinbrücke den Carrouge überquerten.

Der Weg führte über Felder und durch eine Waldparzelle hinauf zum Dorf Vucherons mit seiner kleinen Kapelle aus dem Jahre 1523, von der wir uns wieder einen schönen Stempel in den Pilgerpass aufdrücken konnten. Von dort hatten wir einen schönen Ausblick auf den freiburgischen Moléson und die Waadtländer Alpen. Weiter ging es nach dem Ort Montpreveyres. Der Ortsname kommt vom altfranzösischen „Mont des Prêtres“ und gehörte in früheren Zeiten zum Bischofssitz von Lausanne. Unterwegs wollten wir heute irgendwo einen Picknick-Platz finden. Wir hatten die Auskunft erhalten: „nach 500 m seht ihr diesen.“ Der Weg führte uns durch einen Wald mit „feuchtem Untergrund“ – sehr matschig – aber siehe da – irgendwann konnten wir uns niederlassen, um die Picknick-Reste aus dem Rucksack zu verzehren. Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg zu unserem Ziel Chalet à Gobet, wo wir unser Quartier für die nächste Nacht aufsuchten. Wir waren gut „marschiert“ und zur Zeit am Ziel, so dass wir es uns im Garten noch gemütlich machten und den Durst mit einem feinen „Weissen“ stillten – oder mit einer teuren Coca (Fr. 5,--). Aber das Quartier war sauber und das Nachtessen sehr gut – jeder konnte wählen – nach Lust und Laune – Irene und Yvonne Z., sie sassen neben mir,  leisteten sich einen feinen „Mocken Fleisch“. Mich machten die Tortellini an, und die waren auch fein! Der wider Erwarten sonnige Tag war für alle „der“ Aufsteller, so dass wir uns auch wieder auf den nächsten Tag freuten, den Höhepunkt – Lausanne.

Heute waren für unsere Tour von Chalet à Gobet nach Lausanne „nur“ 13 km angesagt. Um 11 Uhr waren wir mit unserer Stadtführerin in Lausanne verabredet, da hiess es am Frühstückstisch: Aufbruch beizeiten, denn die 13 km wollten doch erst noch bewältigt werden. Gemäss unserem Programm sollten wir heute nur noch bergab wandern. Zunächst führte uns der Weg ein Stück weit durch den Wald. Bei Les Croisettes, mit der dortigen St.-Laurent-Kapelle (um 1661 erbaut), hatten wir eine herrliche Aussicht auf den Genfersee, die Waadtländer und Savoyer Alpen. Die Kapelle war geschlossen. Der Jakobsweg-Wegweiser führte uns durch die Wohnquartiere von Les Croisettes, etwas oberhalb der neuen Metro-Endstation. Bei der Metro-Station mussten einige Damen noch das „stille Örtchen“ aufsuchen. Ist ja auch wichtig! In Lausanne trafen wir Irene, unsere Stadtführerin, die Otto für uns organisiert hatte. Die beiden kennen sich vom Verein „Freunde des Jakobsweges“. Sie erklärte uns sehr einfühlsam die Schönheiten der Lausanner Kathedrale.

Wer von Lausanne spricht, wird entweder seine Lage am Lac Léman mit dem Blick auf die Berge Savoyens preisen oder seine Kathedrale rühmen. Wieso entstand dieser von allen Kennern als das bedeutendste frühgotische Bauwerk der Schweiz charakterisierte Bau gerade hier? Lausanne, war bereits seit dem beginnenden 7. Jh. Sitz eines Bischofs. Den Bau, den wir heute erleben, wurde um 1170 begonnen und innerhalb von sechzig Jahren beendet.

Wir dürfen in unseren Pilgerpass wieder einen Stempel der berühmten Kathedrale aufnehmen.

Nach so viel geistiger Kost durften wir uns in einem Spezialitäten-Restaurant zu einem feinen Mittagessen niederlassen. Das war wirklich ein krönender Abschluss unserer dreitätigen Wanderung auf dem Jakobsweg.

Lieber Gerhard, lieber Otto, wir freuen uns schon auf nächstes Jahr, wenn es heisst: „Auf dem Jakobsweg von Lausanne nach Genf“. Danke, lieber Gerhard, für die gute Organisation. Es waren wunderschöne Tage und „Wenn Engel reisen, lacht der Himmel“.

Heike