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Wandern 2008
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Freitag, 27. Juni, bis Sonntag, 29. Juni 2008

Bericht von Heike

Freitag morgen, 6.30 Uhr, treffen sich 13 Wanderer/innen vom UBS Sportclub im Zürcher HB zum langen Weekend im Mattertal. Die schöne Bahnfahrt führt durch den Lötsch­bergtunnel über Visp (um­steigen) nach Herbriggen, wo wir im Hotel „Bergfreund“ zwei Nächte wohnen werden. Wir beziehen unsere Zimmer, deponieren das Gepäck, und schon geht es weiter, mit Tages­rucksack, Wanderstöcken, Hüt­chen und Sonnenbrille bewaffnet, denn es er­wartet uns ein schöner, sonniger Tag. Um 10.30 Uhr führt uns der Hotelier mit seinem Bus zur Täschalp. Von hier aus starten wir die wunderschöne Wan­derung auf dem Höhenweg mit Blick zum Matterhorn.

Wandergruppe mit Matterhorn im Hintergrund

Vater und Sohn, im Hintergrund das Matterhorn

Rechts und links auf den Wiesen sehen wir herrliche Pflanzen: rostrote Alpen­rosen, den „quietschblauen“ Frühlings­enzian, der vor allem im Alpenraum auf 500-2500 m blüht. Aber auch die Schwefelanemone blüht so zahlreich, auch die Küchenschelle, die Alpen-Anemonen, Vergissmeinnicht, Berg-Hahnen­fuss, auch Hauswurz, Alpenklee, Bergstief­mütterchen, Himmels­herold.

Grasnelke

Um 12 Uhr halten wir Mittagsrast bei einem Picknickplatz, der schöner nicht hätte sein können – Blick in die herrliche Bergwelt. Wir wandern weiter bis wir „Sunnegga“, 2288 m ü.M., erreichen. Hier im Restaurant löschen wir unseren Durst, bevor wir mit der Alpen-Metro-Sunnegga (Standseilbahn) in die Tiefe „sausen“ nach Zermatt (1620 m). Beide Züge – hinauf und hinunter – hängen an einem einzigen Seil. Gerät das Seil in Bewegung, fährt der eine Zug hoch und der andere runter.

Es ist eine Art Fahrstuhl­konstruktion. In Zermatt bummeln wir noch etwas durchs Dorf. Es ist wie immer belebt von vielen asiatischen Touristen: Japaner, Koreaner? Um 16.50 Uhr ist Treffpunkt am Bahnhof, denn der „Bergfreundbus“ darf nicht ins Dorf hineinfahren, Zermatt ist autofrei. Nach einer schönen Heimfahrt geht es schnell unter die Dusche im Hotel, und dann ist bereits wieder um 18.30 Uhr Treffen auf der Hotelterrasse zum Apéro. Dieser wird untermalt mit einem Ständchen vom Hotelier auf dem Alphorn. Dafür hat er sich recht „traditionell“ gekleidet. Er lädt auch Gäste ein zum „Musikmachen“. Walter Cadonau bringt recht gute Töne heraus. Anschliessend dürfen wir uns im Saal nieder­lassen fürs feine 4-Gang-Menue. Obwohl alle am Morgen früh aufgestanden sind und eine gut dreistündige Wanderung in den Beinen haben, lassen wir uns einen kleinen Dorfbummel nach dem Abend­essen nicht nehmen. Die interessante Dorfkirche ist leider geschlossen. Der erste Tag ist gelungen, wir schlafen alle gut und freuen uns auf die nächsten Wanderungen, denn das Wetter verspricht wieder nur Gutes!

Aufstieg zur Bella Tola Hütte

Samstag morgen, Frühstück ab 6.45 Uhr, Abfahrt ist um 7.30 Uhr angesetzt. Der Hotelbus bringt uns in 1 ½ Stunden ins Val d’Anniviers nach Chandolin. Zuerst ist unser Ziel die Bella-Tola-Hütte, wo wir für nachmittags die Spezialität des Hauses bestellen: feinen Heidelbeerkuchen mit Schlagrahm. Heute haben wir die Königsetappe zu bewältigen. Es folgt ein steiler Höhenweg über Stock und Stein, im wahrsten Sinne des Wortes.

Schwefelanemone Enzian

Aber wir werden abgelenkt von wunder­schönen Blumen­wiesen: Wir sehen die Grasnelke, Bart­anemone, immer wieder Ansam­mlung­en von Enzianen, Soldanellen, die wohl soeben erst vom Schnee befreit wurden, und immer wieder be­staunen wir die pink­farbenen Polster des genügsamen Leimkrautes.

Und dann hören wir nach zwei Stunden Aufstieg den „Urschrei“ von Yvonne M.

Yvonne Z. und Irene am Bella-Tola-Gipfel

Der „Bella Tola“ mit 3025 m ist erreicht. Inzwischen ist es 13 Uhr geworden, wir lassen uns nieder für ein Picknick mit dem Blick auf einige Vier­tausender: Aletschhorn, Schwarz­:horn, Bishorn.

Gerhard auf dem Bella Tola, 3025m

Aber Yvonne M. und ich können unser Sandwich nicht so recht geniessen, denn wir haben „Angst“ vor dem Abstieg. Wir bewältigten den Aufstieg recht gut, aber der Abstieg hinab, mit Blick ins schöne, aber abfallende Tal ist immer heikel. Doch wir haben in unserer Gruppe versierte Berggänger/innen, welche die „Angsthasen“ gut betreuen. Für drei Personen unserer Gruppe hat der Berg nicht gerufen. Sie wollten es etwas gemütlicher nehmen und haben sich für eine Seen-Wanderung weiter unten entschieden.

Yvonne M. und Heike, auf geht es zum Abstieg! Aber alle ängstlichen Vorurteile sind bald beseitigt, und wir nehmen den Abstieg ins Tal fast wie „Profis“ in Angriff. Margrit und Irene sagen öfters: Ihr lauft prima! Das tut gut! Aber wir haben ja auch ein Ziel vor Augen: in der Bella-Tola-Hütte den feinen Heidel­beerkuchen mit Schlagrahm.

Bella Tola Hütte

Das Ziel vor Augen: die Bella Tola Hütte!


Heidelbeerkuchen mit Schlagrahm

ausgezeichnet !!!!


Hm, wie gut das tut! Diese Belohnung für so einen „Krampf“! Bald sind alle wieder erholt und geniessen den herrlichen Sonnentag mit Blick in die wunderschöne Bergwelt des Wallis! Vor allem, weil wir wissen, hinab geht es mit der Standseilbahn nach St. Luc.

Ausblick von der Bello Tola Hütte

Ausblick von der Bella Tola Hütte

Um 17 Uhr werden wir wieder vom Hotelier mit dem Bus abgeholt. Wie bequem und erst noch mit herrlichem Blick in die schöne Natur! Um 18.40 Uhr erreichen wir das Hotel und lassen uns um 19.30 Uhr zum feinen Nachtessen im Speisesaal nieder. Den Tag lassen wir ausklingen mit einem feinen Trunk vor dem Hotel und diskutieren über das erlebte Tagesgeschehen. Es war wieder ein super Tag!!!

Sonntag, 8 Uhr, fährt uns Herr Almendinger, unser Wirt, mit dem Bus nach Zermatt. Rosi, die Wirtin vom „Bergfreund“, hat alle persönlich am Bus verabschiedet. Es war ein wirklich herzliches Verhältnis mit den Hoteliersleuten. Der Koch, ihr Sohn, hat uns abends mit seinen Künsten verwöhnt. Danke! Gerhard, unser Tourenleiter, benötigt neue Wanderschuhe, der Absatz löst sich auf. So geniessen wir in Zermatt auch noch ein wenig das Dorfleben und die schönen Sportgeschäfte. Um 9.20 Uhr müssen wir wieder durch den unfreundlichen Beton-Tunnel der Sunnegga-Bahn laufen, um uns mit der Bahn in die Höhe von 2288 m befördern zu lassen, dann weiter mit der Bahn zum Rothorn 3103 m.

Matterhorn

Blick vom "Rothorn paradise". So hoch haben uns die Bahnen gebracht.


Heute werden wir ein Erfolgerlebnis haben: Unser Ziel ist das Ober­rothorn 3405 m. Wow! Von unten sehen wir die sich um den steilen Berg schlängelnden Serpentinen. Können wir dort überhaupt einen Fuss neben den anderen setzen? Yvonne M. und ich sind wieder am Zweifeln. Elsbeth und Ursula wollen es gemütlicher nehmen und entscheiden sich für eine Tour um den schönen Bergsee.

Sie geniessen den Traumblick: Matterhorn mit Bergsee im Vordergrund:

Matterhorn mit Bergsee

Aber die Berggänger sind versöhnt, der Aufstieg bereitet vorerst kein Problem. Auch über die Schneefelder haben wir gute „Wegbereiter“ in unserer Gruppe. Immer wieder sind wir beeindruckt von den Kissen des wunderschönen Leimkrautes.


Der Aufstieg ist ein grossartiges Erlebnis. Die Bergkulisse ringsum weitet sich zu einem eindrucksvollen Panorama.


Matterhorn, vom Oberrothorn gesehen

Immer präsent das Horu.


Oberrothorn Gipfel

Oben angelangt, gibt es natürlich den obligaten Gipfelkuss, nachdem sich Yvonne M. von ihrem „Urschrei“ befreit hat. Wir „Flachland­indianer“ haben unseren Fuss auf 3405 m Höhe gesetzt!


Aber wie wieder hinunter? „Das ist ja die Hölle am Oberrothorn“, meint Yvonne M. Aber der herrliche Ausblick entschädigt uns für den Krampf des Aufstiegs. Wir sehen viele 4000er: Monte Rosa mit Dufourspitze, Allalin, Alphubel, Castor, Polux, Dent Blanche, um nur einige zu nennen. Beeindruckend ist der Blick hinab auf den Findelgletscher und natürlich immer wieder das Matter­horn. Der Berg aller Berge ist überall. So prominent wie die 4478 m hohe kühne Pyramide steht – zumindest in den Alpen – kein anderer Gipfel. So stark zieht kein anderer Gipfel Touristen an. Wir geniessen unser Picknick bei recht warmen Temper­aturen, und das in dieser Höhe! Beim Abstieg werden wir eher ängstlichen Berggänger gut betreut. Ich bin in der Obhut von Walter (vor mir) und Margrit Cadonau hinter mir. Yvonne M. lässt sich von Kurt sicher den Berg hinunterführen. Zum Schluss ist Yvonne M. sogar als erste am Ziel.

Der Endspurt bietet noch eine schreckliche Schikane mit dem verflixten letzten Aufstieg zur Bergstation der Rothorn Bahn. Yvonne M., warst du gedopt, dass du den letzten „Hügel“ so leichtfüssig bewältigt hast? Weiter unten im „Sunnegga“ mundet ein kühler Weisser köstlich. Anschliessend bringt uns die Bahn zurück nach Zermatt, wo wir noch Zeit für einen Bummel und Einkehr­schwung haben. Dort herrscht zu jeder Tageszeit Urlaubs­stimmung.

Waren das herrlich Tage, alles hat gestimmt. Sogar Petrus hat uns mit Sonnen­schein verwöhnt! Um 16.39 Uhr steigen wir in Zermatt in den Zug ein, der uns via Visp gegen 20 Uhr nach Zürich bringt.

Danke, lieber Gerhard, dass wir im Mattertal so ein schönes, sonniges Wochen­ende erleben konnten. Mach weiter so!