Wanderwoche Engadin

12.-19. September 2009

Bericht: Heike, Fotos: Margrit, Gerhard

Samstag, 12. September

Elf Personen vom UBS-Sportclub Berg und Ski treffen sich am Samstag im HB Zürich zur Abfahrt um 9.37 Uhr nach Sils Maria. Im Zug haben die Ersten Durst und genehmigen sich einen „Weissen“ zum Anstossen auf eine sonnige Wanderwoche im Engadin.

In Thusis, auf dem Nebengleis, sehen wir die Dampflokomotive „Albula“.

Wegen Renovation ist die schöne Brücke, die wir bald sehen und die zum Weltkulturerbe gehört, rot eingepackt.

Bravo, Yvonne Z., deine gute Organisation! Wir werden in St. Moritz zur Weiterfahrt ins Hotel Edelweiss, Sils Maria, mit einem Privat-Bus abgeholt. Im Hotel dürfen wir in der schönen Arvenstube des Hotels Platz nehmen für ein feines Mittagessen: gemischter Salat und Tomaten-Spaghetti (uns erwartet ja noch ein feines 5-Gang-Menue am Abend).

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben, tätigen wir die nötigen Picknick-Einkäufe für die nächsten Wandertage. Gerhard sucht eine „Mitknapperin“ für einen grossen Sack Rüebli. Da keine anbeisst, sehen wir ihn die ganze Woche als Häsli. Den Rest des feinen Gemüses bringt er, glaube ich, sogar noch heim.

Um 15.30 Uhr machen wir ab für einen ersten Spaziergang in der näheren Umgebung, d. h. zum Silser See. Wir erleben eine schöne Stimmung. Jetzt haben wir aber einen feinen Kaffee nötig!

In der Hotelbar erleben wir eine Überraschung. Wir wären eingeladen zum Apéro vom Sportclub, aber unsere liebe Monika erscheint am Abend zur Überraschung und Freude aller und offeriert uns einen feinen Drink. Sie liebt nicht so sehr das Wandern, aber im Engadin ist sie in guter Gesellschaft mit den Golfern.

Sonntag, 13. September

Nach einem feudalen Frühstück mit „Champis“ (heute ist Sonntag!) und Lachs fahren wir von Sils mit der Gondelbahn nach "Furtschellas La Chüderia" auf 2312 Meter Höhe. Unsere Wanderwege führen anschliessend  hinauf und hinab, zum Teil über „Steinhaufen“ und an kleinen Teichen vorbei zur Mittelstation der Corvatsch Bahn. Wir haben immer einen schönen Blick ins Tal auf die Engadiner Seen-Platte und Baselgia. Die Sonne wechselt sich ab mit dem Spiel des Nebels. Von der Mittelstation steigen wir auf zur Fuorcla Surlei Hütte. In den Steinhaufen vor der Hütte machen wir unsere Mittagsrast – gegenüber sehen wir den Bianco-Grat, Piz Bernina mit Schneefeldern und auch Piz Rosegg.

Piz Bernina, Piz Rosegg

Blick von der Fuorcla Surlei Hütte auf die Bernina Gruppe

Gut gestärkt wandern wir zurück  zur Corvatsch-Bahn...

... und fahren hinauf (3303 m). Dort erwartet uns ein Gletscherpanorama, sehr eigenartig, denn die Gletscher – wegen der Sonneneinstrahlung – sind „verpackt mit Planen“. Wir fahren mit der Bahn wieder hinunter und laufen dem See entlang und durch den Wald zurück ins Hotel.

Um 18 Uhr müssen wir bereits wieder „gut gestylt“ parat sein. Der Chef des Hauses informiert uns über das Wochenprogramm, ausgehend von Sils Maria, und offeriert auch noch einen Apéro mit „Cüpli“ oder Orangensaft, und dann freuen wir uns auf das feine Nachtessen im „schönsten Jugendstil-Speisesaal“ der Schweiz. Auf der Empore unterhält uns jeden Abend ein Pianist am weissen Flügel mit seinem Konzert, später spielt er am Klavier, wenn wir den Abend mit einem Ramazotti oder Appenzeller ausklingen lassen, über den schönen, erlebnisreichen Tag diskutieren und bereits von Yvonne Z. und Gerhard hören, was uns am nächsten Tag erwartet.

Montag, 14. September

Heute ist bereits frühe Tagwacht. Um 7.44 Uhr warten wir auf den Postbus. Kommt er? Welche Erleichterung, als er wirklich erscheint. Wir fahren bis zum Dorf Casaccia. Der Himmel ist noch bedeckt, aber zum Wandern angenehm. Wir laufen und laufen... Bald haben wir einen schönen Blick hinab ins Dorf Vicosoprano. Da ist eine Foti fällig! Wir sehen den Salis-Turm, einen sechsstöckigen Wohnturm. Er stammt aus dem 13./14. Jh. und wurde 1580 für Rudolf von Salis umgebaut. Bald werden wir aufmerksam gemacht mit einem Hinweis in 15 Minuten: Hütte Durbegia. Warum nicht? Und dort ist es wirklich sehr gemütlich! Sie lädt ein zu einem wunderschönen Aussichtspunkt auf unserer Wanderung. Es lohnt sich, eine Picknickpause in der kleinen „Snackstation“ einzulegen. Gerhard hat eine gute Idee: Wie wäre es mit einem Stückchen feinem Bündner- und/oder Kastanienkuchen? Es hat sich gelohnt!

Unser Ziel ist Soglio. Der Wanderweg führt über Stock (Wurzeln!) und Stein, und wie junge Rehlein müssen wir über Bäche springen – heikel! Aber es haben’s alle geschafft!

Als wir Soglio erreichen, drückt die Sonne immer mehr, und wir erleben einen wunderschönen Ort.

Soglio

Es ist eine 300-Seelen-Gemeinde im Bergell und liegt auf einer sonnigen Bergterrasse. Am Eingang zum Dorf besuchen wir die schöne Kirche St. Lorenzo, die noch heute als Wahrzeichen gilt. Auf dem schönen Platz vor dem Hotel „Palazzo Salis“ – „Historisches Hotel des Jahres 1998“ – lassen wir uns stilvoll nieder für einen feinen Kaffee oder für etwas mit „Geist“, z. B. einen feinen „Weissen“, und dann haben wir Freizeit bis zur Abfahrt von Soglio nach Promontogno um 16.09 Uhr. Wir geniessen das schöne Dorf auf einem Rundgang, von dem schon Givanni Segantini gesagt hat, als er im Garten des Palazzo Salis gesessen hat: Soglio sei „die Schwelle zum Paradies“. Der Ort ist bekannt für seine Blumenpracht, „romantischer geht’s nicht mehr“. Wir schlendern auch noch durch den Garten und entdecken den riesigen Mammutbaum und den barocken Rosengarten.

Mit dem Bus fahren wir über Promontogno heim nach Sils Maria, geniessen wieder ein feines Nachtessen, und anschliessend heisst es für alle: Nachtruhe. Wir sind heute doch wieder über fünf Stunden gewandert auf anspruchsvollen Wegen.

Dienstag, 15. September

Um 8.57 Uhr treffen wir uns zur Abfahrt mit dem Bus. Heute gibt es vorerst nur ein Thema: „Bubi“, Roger Federer, hat den Tennisfinal verloren! Wir erleben heute Morgen blauen Himmel. Der See dampft! Unser Ziel ist: Bahnfahrt auf die Corviglia, 2486 m. Weiter wandern wir auf einem schönen Höhenweg mit vielen Kuhfladen.

Inzwischen hat Petrus es nicht mehr so gut mit uns gemeint, dunkle Wolken ziehen auf. Unsere „Wanderleitung“ entscheidet, dass wir den Weg vorne hinab wählen, anstatt mit Umwegen über die Höhe. Wie immer im Engadin, wandern wir über eine riesige Steinwüste, an die wir uns inzwischen gewöhnt haben und die alle gut meistern, selbst Heike als „Flachlandindianer“.

Nach längerer Wanderung fahren wir mit der Bahn von Marguns-Corviglia nach Celerina hinab. Von dort laufen wir noch bis St. Moritz. In St. Moritz – mit was können sich müde Wanderer etwas Gutes tun? – Einkehrschwung im berühmten Café Hanselmann. Die Sgraffiti-Fassade ist 1985 wunderschön restauriert worden. Seine Geschichte reicht bis ins vorletzte Jahrhundert zurück, genau 1894, als Fritz Hanselmann eine eigene Bäckerei eröffnete. Aber drinnen lässt es zu wünschen übrig. „Toilette unmöglich“, stellt Yvonne M. fest, obwohl es ein „süsses Paradies mit Weltruhm“ sein soll. Es ist an bester Lage gelegen, gleich neben dem St.-Mauritius-Brunnen.

Der Nachmittag steht uns zur freien Verfügung. Majda, Yvonne M. und Heike schlendern etwas durch St. Moritz, bevor wir noch etwas Lust zum Laufen verspüren, und uns zu Fuss auf den Weg nach Silvaplana machen – wie die Schnellläufer sind wir unterwegs ...

Von Silvaplana fahren wir mit dem Bus zurück nach Sils Maria.

Wie jeden Abend: Wir geniessen ein feines Nachtessen, und anschliessend sitzen wir noch gemütlich vor dem Kamin bei einem Ramazotti und erzählen über die Erlebnisse des Tages.

Mittwoch, 16. September

Heute müssen wir das erste Mal melden: Es regnet! So telefoniert Yvonne Z. in die Zimmer: Das frühe Morgenessen wird auf später verschoben, und dass wir uns parat halten sollen für den Bus um 9.30 Uhr nach St. Moritz Bad. Von dort beginnen wir eine schöne Wanderung durch den Statzer Wald, dem Lej da Statz entlang nach Pontresina. Auch das ist eine schöne Tour! In Pontresina kennen Yvonne M. und ich uns aus von den Langlaufferien her. Im Café Puntschella wird Yvonne M. schlemmen, das ist Tradition: Apfelstrudel mit allen Schikanen – Schlagrahm, Vanilleglacé, Vanillesauce. Es ist „Die süsseste Versuchung südlich des Polarkreises“. Ich geniesse eine feine Quarktorte. Es nieselt leicht, was sollen wir noch unternehmen? In dieser Gegend ist es kein Problem: Muottas Muragl ist unser nächstes Ziel mit der steilen Zahnrad-Bahn. Schliesslich haben wir vom Hotel die Karte, dass wir alles gratis bereisen können. Plötzlich zieht auch in der Höhe eine dichte Nebelfront auf, so dass wir keinen Panoramablick erleben können. Was bleibt uns anderes übrig, als es uns im schönen Berghaus bequem zu machen. Unsere elf Personen finden Platz am grossen Tisch. Die es sich im Café in Pontresina haben schmecken lassen, streiken, die anderen trinken einen feinen Weissen „von Salis Riesling Silvaner“ mit Käse- und Fleischplättli. Nach einer schönen Rast in der Höhe fahren wir alle zusammen heim.

Donnerstag, 17. September

Heute gehen wir direkt vom Hotel aus auf Tour. Wir treffen uns um neun Uhr vor dem Hotel. Es ist noch bedeckt, aber die Sonne drückt. Bald erleben wir blauen Himmel. Der Silser See ist spiegelblank – schöne Stimmung. Wir wandern durchs Val Fex. Unser Ziel ist Muot Ota auf 2329 m. Wir werden von den Kutschenhaltern unterwegs angesprochen für eine Fahrt mit ihnen, aber wir weilen in den Wanderferien! Also laufen wir alle. Es ist wirklich wunderschön den Schluchtweg hinab, dem Fex-Bach (weiter unten) entlang. Wir sind auch heute wieder – wie fast jeden Tag – fünf Stunden, reine Wanderzeit, unterwegs.

Aber der Tag ist noch nicht beendet...

Im Hotel erleben wir einen wunderschönen Abend!

„Diner mit Musik.“ Das Duo Barro & Barro spielt für uns: Boccherini, Tschaikowski, Franz Schmidt, Chopin, Auguste Franchomme. Dazu wird uns heute Abend ein 6-Gang-Menue serviert:

Wir haben geschlemmt!!! Und wunderbar geschlafen!!!

Vornehme Atmosphäre im Jugendstil Speisesaal

Freitag, 18. September

Um 8.27 Uhr fahren wir mit dem Bus Richtung Julier. Das Wetter verspricht Gutes! Die Wanderung beginnt über riesige „Steinhaufen“ und eine Holzbrücke über den Bach. Bald erreichen wir den Leg Grevasalvas auf 2390 m. Immer wieder hoppeln Murmeltiere umher. Die Wanderung ist nicht so einfach!

Am windigen Pass überrascht uns Yvonne mit einem Gipfeltrunk!

Auf der Passhöhe Fuorcia Grevasalvas 2688 m

Wir steigen hinab über eine grosse Steinwüste. So etwas habe ich persönlich noch nie bewältigt. Aber auch Oma hat es geschafft! Auch die Mittagsrast erleben wir in den Steinhaufen! Das ist halt so im Engadin, an Steinen fehlt es nicht!

Zwischendurch stellten wir uns mal für ein Gruppenfoto auf - ein Gemeinschaftswerk von Margrit und Gerhard. (Dank Photoshop sind beide Fotografen im Bild)

Bevor wir auf den schönen Engadiner Höhenweg gelangen, müssen wir immer wieder über Steine klettern. Das macht heiss! Also ist Tenue-Wechsel vorgesehen! Der Engadiner Höhenweg ist wunderschön zu laufen, und vor allem haben wir immer wieder den Blick ins schöne Tal: Die Engadiner Seen mit ihren verschiedenen Farbschattierungen – von Türkis bis fast Schwarzblau – faszinieren uns immer wieder.

... das letzte Mal Einkehrschwung nach der Wanderung im Café in Sils Maria, ein letztes gemeinsames Nachtessen, Majda lädt uns noch zu einem Ramazotti ein, und dann fertig geschlemmt – morgen beginn der Alltag.

Samstag, 19. September

Yvonne Z. hat es wieder toll eingerichtet, dass wir mit einem „Büssli“ vom Hotel aus nach St. Moritz gefahren werden, bevor wir die Rätische Bahn besteigen mit Umsteigen in Chur.

In Zürich verabschieden wir uns. Es fällt nicht leicht, nach einer sooo wunderbaren Wanderwoche „Good bye“ zu sagen ...

Danke, liebe Yvonne und Gerhard, dass wir so schöne Tage im Engadin erleben durften. Es war wirklich einmalig!