Historische Altstadt
Die mittelalterliche Stadtbefestigung wurde größtenteils Mitte des 19. Jahrhunderts abgetragen. Erhalten sind der Obertorturm und das Schwabentor, wo sich die beiden Handelsstrassen in den süddeutschen Raum trennten. Noch heute mahnt ein Spruch über dem Torbogen «Lappi tue d' Augen uf» (Öffne Deine Augen, du Tor). Vielleicht ein Fingerzeig für den Besucher, nicht blind an all den verborgenen Schönheiten vorbeizugehen!
In der verkehrsfreien Altstadt mit ihren Gassen, Toren und Durchgängen fühlt man sich in frühere Zeiten zurückversetzt. Schmucke Bürgerhäuser aus der Zeit der Gotik und des Barocks präsentieren stolz ihre reich bemalten und bildhauerisch gestalteten Fassaden. Speziell zu erwähnen sind die Spätrenaissance-Fresken am Haus «Zum Ritter», die üppigen Fassadenstuckaturen des Hauses «Zum Steinbock» oder die reich verzierte Front des Hauses «Zum goldenen Ochsen».
Ein "echter" Landsknecht führte uns durch die Altstadt und erzählte aus der langen Geschichte von Schaffhausen. Klicken Sie auf ihn!
Schaffhausen, die Stadt der Erker
Nach offiziellen Angaben gibt es 171 Erker in der Altstadt. Unser Führer meint bei einer Nachzählung sei man aber auf 194 gekommen. Wie auch immer, sie sind alle sehr eindrucksvoll. Hier einige Exemplare.
Fronwagplatz
- im Mittelalter "Am Markt" genannt. Hier standen die Marktstände der Gemüsebauern, die Brotlauben der Bäcker und die Schlachtbänke de Metzger, während sich der Fischmarkt an der Vordergasse und der Rindermarkt in der Vorstadt beim Gasthaus "zum goldenen Ochsen" befand.
Am südlichen Ende des Fronwagplatzes steht mit dem Landsknecht- oder Metzgerbrunnen der grösste Brunnen der Stadt. Die schwer bewaffnete Landsknechtfigur auf der Brunnensäule symbolisiert die wehrhafte Stadt Schaffhausen.
Mohrenbrunnen
So genannt nach dem als Schwarzen dargestellten Kaspar, dem jüngsten der Heiligen Drei Könige mit Krummschwert, Goldpokal und Wappenschild mit Doppeladler (als Zeichen für die reichsstädtische Stellung Schaffhausens). Die Augustin Henkel zugeschriebene Figur aus dem 16. Jh. entspricht einer Darstellungskonvention, welche im Mittelalter mit der Verehrung des heiligen Mauritius, dem Märtyrer und legendären Anführer der Thebäischen Legion Verbreitung fand. Kleidung und Habitus der Brunnenfigur symbolisieren den wohlhabenden Stadtbürger in der ehrenvollen Postur des Reichsschildträgers.
Haus zum Ritter
Der Hausname "Zum Ritter" ist bereits für das frühe 14. Jahrhundert nachweisbar. Die Original-Freskenmalereien wurden von Tobias Stimmer zwischen 1568 und 1570 angebracht. Sie gelten als die bedeutendsten Renaissancefresken nördlich der Alpen.
Haus zum Steinbock
Das historische Gebäude diente ursprünglich als Zunfthaus der Metzger und war bis 1646 eine Gaststätte. Die Fassade im Rokokostil wurde um das Jahr 1760 geschaffen. Besonders markant ist der plastisch modellierte Steinbock an der Fassade, der mit echtem Gehörn versehen ist. Das Haus befindet sich in der Oberstadt 16.
Kirche Sankt Johann
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde eine dreischiffige gotische Kirche an Stelle der alten romanischen Kirche gebaut.
Am 30. September 1529, einen Tag nach der Einführung der Reformation, wurden die Bilder und Altäre zerstört. Die Nische mit der Madonna auf dem Turm wurde zugemauert und die Orgel demoliert. Bis 1532 war die Kirche vollständig schmucklos.
Nach mehreren Renovationen wurde die Kirche von 1983–1990 einer Gesamtrenovation unterzogen mit Abbruch der Empore und Einbau einer hydraulischen Konzertbühne. Berühmte Dirigenten und Musiker schätzten seit 1870 die Klangentfaltung und Akustik des grossen Kirchenraums. (Albert Schweitzer lobte nach einem Konzert am 17. Oktober 1928 den besonders „weichen und feinen Ton” der Orgel.) Seit 1946 sind vor allem die Internationalen Bachfeste weit über die Region hinaus bekannt.
Tellbrunnen
Vor dem prachtvollen Doppelhaus "Zur Wasserquelle" und "Zur Zieglerburg" aus dem Jahr 1738 steht der Wilhelm-Tell-Brunnen mit einer Figur von Tell und seinem Sohn, eine Kopie des Originals von 1522.
Haus zum Tiergarten
Seinen Namen erhielt das Haus im 15. Jahrhundert, als es als „Tiergarten“ des benachbarten Klosters Allerheiligen diente. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude erweitert, unter anderem um einen Renaissance-Südflügel mit Erkertürmen im Jahr 1622. Nach schweren Schäden durch die Bombardierung Schaffhausens im Jahr 1944 wurde das Haus originalgetreu wieder aufgebaut.
Kloster Allerheiligen
Am 22. November 1049 weihte Papst Leo IX. den Bauplatz zwischen Stadt und Rhein sowie einen Altar. Im Jahr 1064 war der Bau des nellenburgischen Eigenklosters vollendet. Vorbild für diese erste Abtei waren Sakralbauten aus dem cluniazensischen Burgund.
Über den bestehenden Fundamenten wurde ab 1090 das heutige Münster errichtet, das nur noch aus drei Schiffen und einem Querhaus besteht. Die Bauarbeiten begannen im Chor und waren 1095 abgeschlossen. Das Münster gilt heute als der grösste romanische Sakralbau der Schweiz.
Zusammen mit den Klöstern Hirsau und St. Blasien zählte es zu den großen Reformklöstern der cluniazensischen Reform im Heiligen Römischen Reich.
Im Jahr 1524 wurde die Abtei in ein Chorherrenstift umgewandelt und das Münster zur zweiten Hauptkirche der Stadt Schaffhausen. Im Jahr 1529 setzte sich in Schaffhausen die Reformation durch und das Kloster wurde aufgelöst. Die Klosterbibliothek wurde Teil der Stadtbibliothek Schaffhausen.
Bei der Bombardierung Schaffhausens durch US-Bomber am 1. April 1944 wurden Teile des Klosters, darunter die Neue Abtei, zerstört, aber später wieder aufgebaut. In den Jahren 1950 bis 1973 wurde das Münster zu Allerheiligen mit Unterstützung des Bundes innen und aussen umfassend renoviert und unter Schutz der Eidgenossenschaft gestellt.