Mantua ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und wird in der Liste der Welterbestätten geführt. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten der einstigen Hauptstadt des Herzogtums Mantua zählen der romanische Dom, die Renaissancekirche Santa Andrea, der Palazzo Ducale und der Palazzo del Te. Die Stadt gilt als Geburtsort Vergils, genauer das in ihrer Nähe gelegene antike Dorf Andes. In William Shakespeares Tragödie "Romeo und Julia" ist Mantua der Verbannungsort Romeos. Auch Verdis Oper Rigoletto spielt in Mantua.
Das Stadtzentrum ist auf drei Seiten von Seen umgeben - dem Lago Superiore, dem Lago di Mezzo und dem Lago Inferiore -, die im 12. Jahrhundert zur Verteidigung der Stadt angelegt wurden und vom Fluss Mincio gespeist werden. Der zeitgleich aufgestaute Lago Paiolo, der die Stadt praktisch zu einer Insel machte, existiert heute nicht mehr.
Übernachtet haben wir im Hotel Italia beim Piazza Cavallotti. Dort ist auch das Teatro Soziale mit seiner klassizistischen Fassade. Daneben blickt man in einen Kanal, der früher durch die ganze Stadt führte. Vom Platz aus geht es direkt in die Altstadt. Der Weg führt durch den Corso Umberto I. mit seinen Arkaden. Die Säulen scheinen von römischen Tempeln zu stammen. Am Ende der dreieckigen Piazza Guglielmo mit seinen gemütlichen Kaffees steht ein interessantes Haus aus dem 15. Jh. mit Fresken und dann ist man schon bei der Basilika Sant'Andrea.
Basilika Sant'Andrea
Die Basilika steht laut Überlieferung an der Stelle, an welcher der Heilige Longinus - der Soldat, der den toten Jesus in die Seite gestochen haben soll - die mit dem Blut Christ getränkte Erde vergrub.
Ludovico Gonzaga gab im Jahr 1470 bei Alberti den Bau einer Kirche in Auftrag, die als Ort der Verehrung einer Heilig-Blut-Reliquie dienen sollte. Für den Entwurf des Grundrisses von Sant'Andrea griff Alberti auf eine antik-römische Gliederungsweise der Wand zurück. Die Seitenschiffe des Langhauses ersetzte er durch eine Reihe von Kapellen, was eine folgenreiche Neuerung für den Kirchenbau der Spätrenaissance und des Barock darstellte. Alberti, der sich intensiv mit der antiken Baukunst auseinandersetzte, zielte auf eine Monumentalwirkung ab, die an seine historischen Vorbilder heranreichen sollte. So leitete er das mächtig kassettierte Tonnengewölbe von der Maxentiusbasilika in Rom ab. In der Fassade kombinierte er die antike Tempelfront mit einem Triumphbogen und flachen Pilastern anstelle der üblichen Säulen.
Der Glockenturm weist gotische Bauformen auf.
Rotonda von San Lorenzo
Die älteste Kirche der Stadt befindet sich ungefähr 1.5 m unter der Höhenebene des Platzes. Der auf Geheiss der Mathilde von Canossa im Jahr 1082 errichtete Kirchenrundbau erinnert an die Kirche vom Heiligen Grab in Jerusalem.
Piazza delle Erbe
Der Platz war das Handelszentrum der Stadt. Heute wird hier täglich ein Obst- und Gemüsemarkt abgehalten und auch Souvenir-Händler bieten ihre Waren an. Beeindruckend ist das geschlossene Ensemble der mit grossartigen Fresken verzierten Palazzi. Am Nordwestende steht der Palazzo della Ragione (Justiz-Palast) von 1250, daneben der Torre dell'Orologio (15. Jh.) mit einer astronomischen Uhr. Direkt daneben erhebt sich die zweigeschossige Rotonda San Lorenzo aus dem 11. Jh., die älteste Kirche Mantuas. Gegenüber befindet sich die Basilika Sant'Andrea.
Im Jahre 1455 liess ein reicher Kaufmann dieses Gebäude, die Casa del Mereante, bauen. Seine Fassade ist eine Verschmelzung von gotischen und orientalischen Elementen, die sehr an venezianische Häuser erinnern.
Der Hof des Palazzo del Podestà der die Piazza Broletto mit der Piazza Erbe verbindet. Er heisst Sottoportico dei Lattonai.
Piazza Broletto
Der Platz war in der Zeit der Kommunen das Zentrum des öffentlichen Lebens. An der Südseite erhebt sich der Palazzo Broletto, der 1227 von Laudarengo Martinengo, dem Podestà /Gouverneur) der Stadt, erbaut wurde.
An der Rückfassade des Palastes befindet sich eine Statue aus dem 13. Jahrhundert, die Vergil auf dem Lehrstuhl darstellt und im Dialekt "la vecia" genannt wird. An der Ecke erhebt sich der Torre del Broletto (oder Torre del Podestà), an den sich die Casa Tortelli anschmiegt.
An der Südseite befindet sich der Palazzo del Massaro aus dem 14. Jahrhundert, in dessen Inneren bedeutende Fresken aus dem 15. Jahrhundert aus der Schule des Pisanello zu sehen sind.
In der Mitte des Platzes steht der aus dem 19. Jahrhundert stammende Delfinbrunnen, genau an der Stelle, an der der erste artesische Brunnen gegraben wurde, um die Stadt mit Trinkwasser zu versorgen.
Piazza Sordello
Die vorherrschende Architektur des Platzes stammt grösstenteils aus dem Spätmittelalter und wurde durch Anbauten aus dem 18. Jahrhundert ergänzt, darunter die Fassade des Doms und der Bischofspalast (Bianchi), der sich direkt neben dem Dom befindet. An der Seite des Palastes zeugt der massive romanische Glockenturm von dessen mittelalterlichem Ursprung. Links des Platzes, gegenüber der Domfassade, erheben sich der Palazzo Acerbi, überragt vom Torre della Gabbia, der Palazzo Bonacolsi (Castiglioni) mit seinen dreifachen Rundbogenfenstern und zwei Portalen - einem Spitzbogenportal und einem Renaissanceportal - sowie die Ca' degli Uberti und der bereits erwähnte Palazzo Bianchi.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes erhebt sich der Palazzo del Capitano, dessen Ursprünge bis vor 1328 zurückreichen, dem Jahr, in dem die Familie Gonzaga an die Macht kam. Er bildet somit den ursprünglichen und ältesten Kern des Herzogspalastes. Neben diesem majestätischen, zinnenbewehrten Gebäude wurde die Domus Magna mit ihren Sprossenfenstern aus dem 15. Jahrhundert errichtet.
Der Dom, Kathedrale San Pietro
Die Kathedrale St. Peter spiegelt die Geschichte und die künstlerische Entwicklung der Stadt wider, da sie verschiedene Stile vereint: die Mauern später zerstörter gotischer Kapellen, ein romanischer Glockenturm, eine spätgotische Längsseite, ein Innenraum aus dem 16. Jahrhundert von Giulio Romano, eine neoklassizistische Fassade aus Carrara-Marmor sowie eine Sakristei aus dem späten 15. Jahrhundert, deren wunderschönes Gewölbe aus der Schule von Mantegna stammt.
Auf einem Gemälde "Die Vertreibung der Bonacolsi" (ausgestellt im Herzogspalast) sieht man die ursprüngliche Fassade.
Casa di Rigoletto
In diesem Haus (im Bild rechts) soll der legendäre Hofnarr Rigoletto, Hauptfigur der berühmten Oper von Giuseppi Verdi, gelebt haben. Das mittelalterliche Haus wurde im 15. Jh. umgebaut.
Im Hof des Hauses steht die Statue des Rigoletto, Werk des Bildhauers Aldo Falchi.
Giuseppe Verdis "Rigoletto" (1851) ist eine tragische Oper über Rache, Verderbnis und den Fluch des Grafen Monterone. Der bucklige Hofnarr Rigoletto versucht, seine Tochter Gilda vor dem frauenfeindlichen Herzog von Mantua zu verstecken. Doch die Höflinge entführen Gilda, der Herzog verführt sie und Rigolettos Racheplan endet tödlich für seine Tochter.
Palazzo Te
Der Palazzo Te stammt aus dem 16. Jahrhundert. Der gesamte Komplex wurde von Giulio Romano (1499 - 1546) für Federico II. Gonzaga (1500 - 1540) als Ort der Musse und für prunkvolle Empfänge entworfen und errichtet. Von Anfang an öffnete sich der Palast durch grosse Loggien zu weitläufigen Gärten, die in Anlehnung an die antiken römischen Villen konzipiert waren.
Frederico II. Gonzaga - Kopie eines Gemäldes von Tizian - und Gulio Romano
Im Inneren kann man wertvollen Fresken und die raffinierten Stuckarbeiten bewundern. Die gesamte Raumgestaltung wurde nach einem Entwurf von Giulio Romano realisiert. Er entwarf nicht nur die architektonische Struktur des Gebäudes bis ins kleinste Detail, sondern auch die prächtigen dekorativen Freskenzyklen, die Kamine, die Decken und die Fussböden aller Räume. Anschließend vertraute er deren Ausführung einer Reihe qualifizierter Mitarbeiter an.
Im Saal von Amor und Psyche befindet sich eine Inschrift, die den Grund für den Bau der Villa ausdrücklich erklärt: "Dies ist ein Palast für die Freizeit und das Vergnügen, für die ehrliche Musse des Herzogs." Hier wurden berühmte Gäste empfangen, darunter Kaiser Karl V., der 1530 und 1532 zu Besuch kam.
Die Räume im Erdgeschoss, die für die Appartements von Federico Gonzaga bestimmt waren, sind noch heute fast vollständig mit den wertvollen Originalfresken und Stuckarbeiten erhalten. Zu den wahren Juwelen der manieristischen Kunst zählen insbesondere der Saal von Amor und Psyche und der Saal der Giganten.
Amor und Psyche
Psyche ist die jüngste und schönste Tochter eines Königs. Sie ist so schön, dass die Menschen aufhören, Venus, die Göttin der Schönheit und der Liebe, zu verehren. Verärgert ruft Venus ihren treuen Sohn Amor zu sich und befiehlt ihm, Psyche dazu zu bringen, sich in einen schlechten Mann zu verlieben. Der Vater schickt seine Tochter, wie das Orakel des Gottes Apollon es befohlen hat, in einem Brautkleid an eine einsame Bergspitze. Dort soll sie einen furchtbaren Dämon heiraten. Doch statt die Gemahlin des Dämons zu werden, wird sie von Zephyr, dem Herrn der Winde, auf Anweisung Amors in ein märchenhaftes Schloss gebracht. Amor ist selbst der überirdischen Schönheit Psyches erlegen.
...In diesem Schloss sucht Amor sie Nacht für Nacht auf, doch tagsüber verschwindet er, ohne dass sie ihn je zu Gesicht bekommt. Da Psyche sich einsam fühlt, gewährt Amor ihr einen Besuch ihrer Schwestern. Amor warnt sie jedoch, dass sie sich nicht von den Schwestern verleiten lassen dürfe, herauszufinden, wer er sei.
Die Schwestern sind zunächst froh, Psyche wohlbehalten vorzufinden, werden aber bald von Neid verzehrt. Bei einem weiteren Besuch gelingt es ihnen, das naive Mädchen, das mittlerweile ein Kind erwartet, davon zu überzeugen, dass Amor in Wirklichkeit eine grässliche Schlange sei. Deshalb trete er ihr nie bei Tageslicht gegenüber und beabsichtige, sie und ihr ungeborenes Kind zu verschlingen.
Aus Angst um sich und ihr ungeborenes Kind befolgt Psyche den Rat ihrer Schwestern. In der Nacht wartet sie mit einer Öllampe und einem Messer auf ihren Mann. Als sie ihren Geliebten beleuchtet, erblickt sie kein Ungeheuer, sondern den schönen Körper des geflügelten Amor. Psyche ist von Liebe zu ihrem göttlichen Gatten überwältigt und merkt daher nicht, wie ein Tropfen des heissen Öls auf Amors Schultern fällt. Der Gott, der seiner Mutter ungehorsam gewesen war, fühlte sich hintergangen, flog davon und liess Psyche untröstlich zurück.
Venus ist wütend, weil ihr Sohn ihre Befehle missachtet und stattdessen mit Psyche ein Kind gezeugt hat. Sie macht das Mädchen ausfindig und zwingt es, verschiedene lebensgefährliche Aufgaben für sie zu erledigen. Dank der Hilfe von Ameisen, einem sprechenden Schilfrohr, Türmen usw. gelingt es Psyche, diese Aufgaben zu lösen. Bei der letzten Aufgabe lässt sie sich jedoch von dem Wunsch, ihren Geliebten zurückzuerobern, überwältigen. Um sich für ihn schön zu machen, öffnet sie ein Kästchen, das eine für Venus bestimmte Schönheitssalbe von Plutos Gemahlin Proserpina enthalten soll. Doch im Kästchen ist ein Todesschlaf, in den sie daraufhin fällt.
Amor hat sich inzwischen von der Verbrennung mit dem heissen Öl erholt und eilt Psyche zur Rettung. Da er sie noch immer liebt, scheucht er mit seinen Flügeln den Todesschlaf wieder in das Kästchen zurück. Während Psyche das Kästchen abliefert, fliegt Amor zum Göttervater Zeus und bittet um Erlaubnis, Psyche zu heiraten. Der oberste Gott (in einer anderen Erzählung ist es der Götterbote Merkur) zeigt Nachsicht, reicht Psyche einen Becher mit Ambrosia und macht sie dadurch unsterblich. Damit steht einer Hochzeit unter den Göttern nichts mehr im Weg.
Psyche gebar Amor eine wunderschöne Tochter, die den Namen Hedone (Wollust) erhielt.
Saal der Giganten
Die Sala dei Giganti wurde zwischen 1532 und 1535 von Giulio Romano gemalt und ist ein Meisterwerk der Renaissance. Das immersive 360-Grad-Fresko stellt den Einsturz des Olymps dar. Durch eine optische Illusion, bei der Architektur und Malerei verschmelzen, werden die Besucher in den Kampf zwischen Zeus und den Giganten hineingezogen.
Zeus wirft Blitze auf die Giganten, die versuchen, den Olymp zu stürmen. Der gesamte Raum (Wände, Decke, Ecken) ist bemalt, wodurch die Perspektive aufgehoben wird und die Szene lebendig wirkt. Abgebildete architektonische Elemente scheinen einzustürzen, wodurch der Eindruck entsteht, der Betrachter befinde sich mitten im Geschehen.
Markttag
Jeden Donnerstag am Vormittag verwandelt sich die Altstadt von Mantua in einen riesigen Markt mit hektischem Betrieb.







