GERDRVDIS DE BROVNSWIC DUCISSA AUSTRIE,
Grabplatte im Kapitelsaal des Stifts Heiligenkreuz

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Arme Gertrud! Eigentlich war für sie eine glänzenden Zukunft vorbestimmt als sie am 18. April 1115 in Sachsen geboren wurde. Ihr stolzer Vater, Lothar von Supplinburg war der mächtige Herzog von Sachsen und spätere Kaiser Lothar III. Sie hat aber immer nur Pech gehabt. Als Kind lebte sie ganz im übermächtigen Schatten der Mutter Richenza von Northeim, als junges Mädchen wurde sie mit Heinrich dem Stolzen aus dem Geschlecht der Welfen, einem um 15 Jahre älteren Mann verkuppelt. Als 14-Jährige war sie bereits Mutter -  von ihrer Kindheit und Jugend hat sie nicht viel gehabt. Nehmen wir an, sie hatte ein paar glückliche Jahre an der Seite ihres Mannes - wenn er da war. Aber der war viel unterwegs, führte Kriege und begleitete ihren Vater auf Italienfeldzügen. Plötzlich als junge, 24-jährige, lebenshungrige Frau wurde sie Witwe, als sich ihr Mann in einer Auseinandersetzung mit den Staufern befand. Sie musste sehr rasch den Tod ihres geächteten Mannes verkraften. Nach dem Tod ihres Vaters hatte Kaiser Konrad III  die deutsche Königs Nachfolge angetreten und hatte hat ihrem Mann, Heinrich den Stolzen, die Lehen der Herzogtümer entzogen. Gertrud führte zusammen mit ihrer Mutter den von Heinrich dem Stolzen begonnenen Widerstand weiter, ein Mehrfrontenkrieg. Es ging um ihr Erbe, das Herzogtum Sachsen und um das ihres Mannes, das Herzogtum Bayern. Und es sah gar nicht so schlecht aus. In Bayern, unterstützt vom Bruder ihres Mannes Welf VI,  geriet ihr Erzfeind, der Babenberger Leopold IV.  stark in Bedrängnis. Er hatte grosse Mühe sich zu behaupten und verlor eine Schlacht nach der anderen. König Konrad musste immer wieder einspringen. Und in Sachsen war Albrecht der Bär praktisch schon vertrieben. Da starb die Mutter Richenza. Gertrud stand in Sachsen alleine da.

Aber auch Leopold IV. starb und König Konrad III suchte eine Aussöhnung. Er reiste zu Gertrud nach Braunschweig und sie empfing ihn in ihrer Residenz, der Burg Dankwarderode (eine Rekonstruktion dieser Burg kann heute in Mitten von Braunschweig besichtigt werden). Ihr Sohn, Heinrich der Löwe sollte sein Erbe antreten dürfen und Herzog von Sachsen werden, aber auf Bayern verzichten. Mit Bayern sollte wieder ein Babenberger,  Heinrich Jasomirgott belehnt werden. Dieser Heinrich war ein Stiefbruder von Konrad III. Was sollte aus Gertrud werden? Entweder sie oder der König hatten die geniale Idee: Gertrud heiratet Heinrich Jasomirgott. Eine politische Lösung, die den Frieden sichern sollte: Bayern bleibt gewissermassen in der Familie, da Gertrud durch die Heirat Herzogin von Bayern wird, und Heinrich der Löwe wird kaum gegen seine Mutter Krieg führen.

Also Friede in Deutschland, Aussöhnung zwischen WELFEN und STAUFERN: In Frankfurt wurde mit großem Prunk Hochzeit gefeiert, und der König war so glücklich über diesen Bund, dass er selbst die Festlichkeiten ausrichtete. Dreihundert Mark wendete er dabei auf, die gleichen dreihundert Mark, die ihm Gertrud als Buße für den Widerstand in ihrem Herzogtum hatte zahlen müssen, und bedenkt man dabei, dass eine Mark immerhin ein halbes Pfund Silber wert ist, so verwundert es nicht, dass diese "Hochzeit des Jahres" samt allen Turnieren und Banketten volle vierzehn Tage dauerte und es das größte Fest sein sollte, das man bis dahin erlebt hat. An der Tafel aber hob man die goldenen Humpen und trank auf Gertrud und Jasomirgott, das glückliche Paar.

Eine strahlend junge Ehefrau kehrte nach Sachsen zurück. Zunächst erwartete sie harte Arbeit. Sie nahm für ihren noch minderjährigen Sohn die Regierungsgeschäfte wahr. Sie traf Anordnungen, die denen ihres verstorbenen Gemahls, Heinrichs des Stolzen, geradezu entgegengesetzt zu sein schienen. Sie verlor jedoch keineswegs die allgemeinen Interessen des Landes aus den Augen. Sie ließ sich die Förderung des Wohlstandes im Herzogtum angelegen sein; in Verbindung mit dem Erzbischof Adalbero von Bremen und dem Markgrafen Albrecht dem Bären sorgte sie eifrig für die Kolonisierung bisher wüst liegender Strecken am linken Ufer der Weser. Diese Bestrebungen trugen reiche Frucht und fanden bald vielfach Nachahmung.

Sie revanchierte sich für die frohen Tage von Frankfurt, als der König im nächsten Jahr durch Sachsen reiste. Die Herzogin empfing ihn in Braunschweig auf Burg Dankwarderode mit allem Glanz, und KONRAD III. war ein dankbarer Gast: Welch Wandel zu jenen Jahren, in denen er in Sachsen hohnlachend abgewiesen wurde. KONRAD reiste wieder aus Sachsen ab. Dort herrschte Friede, so tief wie in all den Jahren seiner Regierung nicht. Er hatte jetzt einen Höhepunkt seiner königlichen Laufbahn erreicht und konnte zufrieden sein. Armer KONRAD - ebenso zügig, wie er sein Kartenhaus gebaut hatte, fiel es wieder zusammen.

In Braunschweig bereitete sich Gertrud darauf vor, sehr wahrscheinlich nach Klosterneuburg, der Residenz der Babenberger zu überzusiedeln - möglicherweise aber auch nach Regensburg, der damaligen Hauptstadt vom Herzogtum Bayern. Eigentlich sprach alles gegen eine so strapaziöse Fahrt quer durch das Reich, denn Gertrud war schwanger. Die Reisewagen im Mittelalter waren nicht gefedert. Die Römer haben  zwar ab dem 2. Jahrhundert nach Chr. gefederte Reisewagen benutzt. Die Technik ging aber mit dem Niedergang der Antike verloren und erst viel später im 15. Jahrhundert wurde die Federung im ungarischen Kocs erneut erfunden. Gertrud liess sie sich nicht zurückhalten. Das Kind, das sie unter ihrem Herzen trug gehörte in ihre neue Heimat, in der sie sich endlich ein neues, glückliches Leben erhoffte. An ihrem 28. Geburtstag, dem 18. April 1143 endete dieses Leben. Sie starb an den Folgen einer schweren Geburt. Wir können es nur erahnen, aber die Begleitumstände müssen höchst dramatisch gewesen sein. Wir wissen nur, dass die zu früh auf die Welt gekommene Tochter überlebt hat. Heinrich Jasomirgott liess Gertrud in Klosterneuburg bestatten. Erst dreißig Jahre nach Gertruds Ende stand ihr Sohn erstmals an ihrem Grab.

Die Tochter Richardis wuchs bei ihrem Vater und der Stiefmutter Theodora von Byzanz auf. Sie wurde im Zuge der babenbergischen Machtbestrebungen Richtung Steiermark mit einem steirischen Grafen verheiratet.

Im 13.Jahrhundert wurde Gertrud auf Veranlassung von Friedrich dem Streitbaren, dem letzten Babenberger, im Kloster Heiligenkreuz im Wiener Wald zusammen mit ihrer Tochter beigesetzt. Da liegt sie jetzt neben ihrem ehemaligen Erzfeind, dem Leopold IV. Die Babenberger nahmen sie posthum als Gertrud von Braunschweig in ihre Sippe auf, so dass sie auch in ihrem Stammbaum erscheint: ein blasses, ausdrucksloses Gesicht, wie erdrückt von den herzoglichen Insignien, die das Leben der kleinen Gertrud bestimmten. Arme Gertrud!

Die Geschichte nimmt wenig Notiz von ihr. Doch nehmen wir einmal an, sie wäre nicht an der Geburt ihrer Tochter gestorben. Heinrich Jasomirgott wäre in Regensburg Herzog von Bayern geblieben. Es wäre nie zum Privilegium Minus gekommen - eine Entschädigung für die durch Friedrich Barbarossa erzwungene Rückgabe des Herzogtums Bayern an Heinrich den Löwen (Sohn der Gertrud). Wien wäre ein kleines unbedeutendes Nest geblieben und Österreich wäre nie ein eigener Staat geworden, sondern als Teil Bayerns hätte seine Geschichte eine ganz andere Wendung genommen.

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