Berg der Kreuze

Der Berg der Kreuze liegt ca. 12 km nördlich von Šiauliai (deutsch: Schaulen), 1,5 km östlich der Fernverkehrsstraße A12, die von Šiauliai über Joniškis nach Riga führt. Der Berg ist in Wirklichkeit ein 10m hoher sattelförmiger Doppelhügel über den eine schmale Treppe aus Holzbohlen führt.

Berg der Kreuze

Pilger stellen Kreuze auf diesen Hügel, häufig verbunden mit einem Wunsch oder Dank. Die Wallfahrt erfolgt individuell und ist an keine Termine gebunden, jedoch wird der Berg der Kreuze besonders zu Hochzeiten, Geburten und an Ostern besucht.

Zur Entstehung des Hügels, dem Aufstellen der Kreuze sowie der damit ausgelösten Wirkungen gibt es unter anderem folgende Legenden. Ein Vater schlief am Lager seiner kranken Tochter ein. Im Traum erschien ihm eine weiße Frauengestalt, die ihm auftrug, ein Kreuz auf dem Hügel aufzustellen. Der Mann tat wie ihm von der Frauengestalt geheißen und stellte ein Kreuz auf eben jenem Hügel auf. Bei seiner Rückkehr nach Hause war seine Tochter wieder gesund. Eine weitere Legende erzählt von einem Fürsten aus Vilnius. Dieser habe vor 300 Jahren gegen einen anderen Fürsten prozessiert und sei an dem Berg vorbei zum Gericht nach Riga gereist. Seinem Bediensteten habe er dabei gesagt: „Wenn ich den Prozess gewinne, werde ich auf dem Berg ein Kreuz aufstellen.“ Nachdem der Fürst den Prozess gewonnen hatte, befahl er auf dem Rückweg, auf dem Berg das Kreuz zu errichten. Bald habe sich der Ruf vom Gelübde des Fürsten im ganzen Lande verbreitet.

Der Hügel gilt als mittelalterlicher Burghügel, wobei die Burg den Namen Jurgaičiai getragen haben und 1348 von Kreuzrittern zerstört worden sein soll. Bereits zu dieser Zeit war der zumindest zum Teil künstlich angelegte Hügel vermutlich eine Gebets- und Opferstätte.

Am 7. September 1993 besuchte Papst Johannes Paul II. diesen Ort und zelebrierte in dem eigens zu diesem Zwecke errichteten Altarpavillon unter freiem Himmel vor etwa 100.000 Gläubigen eine Messe.

Als wir dort waren, fanden mindestes zwei Prozessionen statt, bei denen neue Kreuze gebracht wurden. Ausserdem drängten sich im Wirrwarr der Kreuze viele festlich gekleidete Personen um einen Täufling. Siehe auch: Fotogalerie!

Pfeil