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Bericht von Heike

Samstag, 27. August

Die Sonne zeigte sich bereits am Morgen um 8.15 Uhr – und das nach der katastrophalen Vorwoche, von der die Medien sogar schrieben: „Switzerland is floated.“ Einige von uns hatten wahrscheinlich erwartet, dass Markus die Wanderwoche absagen würde.

13 Wandervögel versammelten sich am Treffpunkt im HB Zürich mit gespannten Erwartungen für die kommende Woche. Sollten wir uns auch als Katastrophen-Touristen auf Tour begeben?

Uschi, Wolfgang und Franz kamen mit dem Auto direkt nach Beckenried angereist, Markus stieg in Zug und Lisbeth und Walter in Baar ein. Aber wo war Rita? Überfällig auf jeden Fall! Aber verlieren gehen würde unsere Rita sicher nicht...

Um 9.04 Uhr fuhren wir mit dem Zug nach Luzern. Beim Aussteigen waren wir fast etwas enttäuscht: Wir hatten „Action“ erwartet! Überschwemmte Strassen etc. Alles sah schon wieder recht friedlich aus. Zum Glück! Wir bestiegen in Luzern ein Dampfschiff, das uns nach Beckenried brachte. Es war eine schöne Fahrt auf dem Vierwaldstättersee. Elsbeth, Yvonne, Majda und ich nahmen im Salon Platz. Da gesellte sich Markus noch zu uns, und wir hatten bald die Gelegenheit, mit einem kühlen Glas Fendant auf die kommenden Tage anzustossen.

Beim Aussteigen in Beckenried mussten wir noch etwas „turnen“ über die parat gelegten Holzstege. Auch sahen wir jetzt das viele Treibholz im Wasser schwimmen.

Hotel Mond

Vor dem Hotel begrüssten wir Christa und Fritz. Die beiden wollten uns auf einigen Wanderungen begleiten. Sie wohnen in Hergiswil. Markus hatte das nette Paar auf einer Lama-Trekking-Tour in Amerika kennen gelernt. Herzlich willkommen in unserer Gruppe!

Wir bezogen im Hotel Mond unsere Zimmer, und schon nach einer halben Stunde sollten wir für die Wanderung zur Cholbachschlucht parat sein. Der Cholbach zeigte sich recht rauschend, was nicht anders zu erwarten war. Wir waren am ersten Tag noch nicht trainiert, und so mutete uns der Aufstieg recht steil an. Das gab natürlich Durst, und so gab es bereits den ersten Einkehrschwung.

Um 19 Uhr versammelten wir uns im schön gedeckten Speisesaal zum ersten gemeinsamen Nachtessen. Inzwischen waren auch die Autofahrer eingetroffen, und auch Rita strahlte uns entgegen.

Die „Nachtvögel“ wollten das Dorf noch etwas auskundschaften. Der „Adler“, die Nachbarbeiz, kam dafür recht gelegen. Wir wurden von der Wirtin, Frau Steiner, herzlich begrüsst, denn ausser einigen Einheimischen war „tote Hose“. Sie war eine „kurlige“ Frau, immer zum Scherzen aufgelegt. Elsbeth und ich bewunderten ihre moderne Dreiviertel-Hose mit vielen roten Reissverschlüssen versehen... und bald schon wussten wir, wo sie diese „rassige“ Hose erstanden hatte. Die Tür ging auf und ein schöner schwarzer junger Mann stand im Raum und pries seine diversen Artikel an. Bei ihm entdeckten wir auch die Hose der Wirtin. Markus kaufte sich einen schönen Gürtel. Ich und ein paar andere entschieden sich für ein schönes Lederportemonnaie. Er erzählte uns später, dass er aus Senegal stamme und er am Telefon erfahren hatte, dass auch sie daheim unter Hochwasser litten.

Sonntag, 28. August

Heute ist die erste zünftige Tour angesagt über den Bürgenstock. Um 8.30 Uhr warteten alle in Beckenried aufs Postauto Richtung Buochs – Ennetbürgen. Der Himmel war heute bedeckt. In Ennetbürgen wurden wir gezwungenermassen zu Katastrophen-Touristen, Rückstände vom Flutschlamm bedeckten noch die Strassen, so dass wir über ausgelegte Holzstege laufen mussten. Bald erreichten wir die Fürigen-Bahn, eine einfache, aber funktionelle Drahtseilbahn, die uns in die Höhe brachte.

Füringen Bahn

Schon bald wanderten wir auf dem spektakulären Felsenweg. „Grausam, so schlüpfrig, aber schön!“, rief Yvonne. Ja, da mussten wir durch! Es war ein happiger Aufstieg, so dass die Ersten den Rest der Gruppe bald verloren hatten.

Bald erreichten wir den 900 m ü.M. / 450 m über dem malerischen Vierwaldstättersee gelegenen Bürgenstock mit seinen eleganten Hotels. Wir erkundigten uns in einem Restaurant nach Platz, aber in unserem „Outfit“ (dreckige Schuhe und Wanderhosen) waren wir nicht erwünscht. So zogen wir weiter. Irgendeine „Spelunke“ würde uns schon Gastrecht erweisen – bis wir zum Hotel „Honegg“ kamen. Es ist ein alter Kasten, in schlechtem Zustand. Es hat wohl auch bessere Zeiten erlebt und kämpft ums Überleben.  Aber es ist wunderbar gelegen. Die Aussicht von dort oben hinunter nach Ennetbürgen, Beckenried und Seelisberg ist einmalig. Elsbeth, Yvonne, Majda und ich picknickten auf der „Hotel-Terrasse“. Anschliessend leisteten wir uns eine feine heisse Ovo. Einige unserer Gruppe sassen bereits bei Käshörnli. Gut gestärkt führte uns die Wanderung weiter ins Tal. Bald erreichten wir die Kapelle St. Jost am Bürgen mit dem schönen Aussichtspunkt auf den See und die grosse Ebene zwischen dem Buochser- und Stanserhorn einerseits und dem Bürgenberg anderseits. Um 1200 hat unter dem grossen Granitfindling ein Waldbruder gelebt, dessen Name und Herkunft unbekannt ist. Nach seinem Tode wurde er unterhalb seiner Behausung an der Stelle, wo jetzt die Kapelle steht, begraben. Die Grabstätte war 1975 bei Grabarbeiten in Innern der Kapelle noch sichtbar. Die schönen Fresken im Chor der Kapelle aus dem 14. Jh. wurden 1796 mit einer dicken Kalkmörtelschicht zugedeckt.

Von Ennetbürgen aus fuhren wir mit dem Postauto zurück nach Beckenried.

Wir freuten uns wieder auf das Nachtessen, es war immer ein feines Viergangmenü.

Montag, 29. August

Wir labten uns jeden Morgen an dem feinen Frühstück: gutes Brot und Kaffee, Käse, Eier, Müslimischung, Yoghurt, Orangensaft, frische Früchte. Ganz feudal! Um 8.30 Uhr fuhren wir mit dem Postauto bis Stans. In Niederrickenbach wechselten wir auf die Luftseilbahn LDN.  Jetzt sahen wir auch die Katastrophenhänge, die abgerutscht sind. Ein steiler Hang kann ins Rutschen kommen, wenn sich der Boden mit zu viel Wasser voll gesaugt hat. Je nach Untergrundbeschaffenheit löst sich die Humusschicht und saust als Erde-Wasser-Geröll-Gemisch (Schlammlawine) zu Tal. Im Bähnli sprachen wir mit Zivilschützern, die im Einsatz waren, über die derzeitige Situation.

Für den Aufstieg zum Buochserhorn wollten wir heute zwei Gruppen bilden. Die „Eifrigen“ begaben sich bereits auf Tour. Nach ein paar Schritten sahen wir ein Schild: Weg gesperrt. Die einen hatten das wohl nicht gesehen und marschierten weiter. Wir kehrten um und wurden von einer Klosterfrau belehrt, dass der andere Weg wirklich nicht passierbar sei, weil abgerutscht. Es war eine der Benediktinerschwestern, die hier im markanten Gebäude des Klosters lebt. Es ist seit Jahrhunderten ein Wallfahrtsort (1158 m ü. M) und wird darum auch Maria-Rickenbach genannt. Im Klosterladen verkaufen sie verschiedene Kräuterteesorten, Goldlikör und Melissengeist.

Buochserhorn

Somit warteten wir, bis sich die ganze Gruppe für den einfacheren Aufstieg – gezwungenermassen – entschieden hatte. Es war eine angenehme Wanderung im Halbschatten. Als wir den Gipfel nach einiger Zeit erreicht hatten (1807 m) wurden wir mit einem tollen Rundblick belohnt: Wir sahen die Mythen, Vrenelis Gärtli, bis ins Berner Oberland mit Eiger und Mönch. Aber auf uns wartete noch eine andere Belohnung: Markus und Franz servierten zum Gipfelerlebnis einen feinen Tropfen „Volgaz“. Wenn das nur gut geht! Denn wir wollten ja noch zur Musenalp (1747 m ü. M.), und auf dem Weg dahin erlebten wir noch einen steilen, strengen Aufstieg – nicht ohne einige Schweisstropfen zu vergiessen.

Dem Kuhherdengeläut folgend, erreichten wir bald eine einfache Alpwirtschaft. Die Sennenfamilie führt hier während der Alpzeit – ab Anfang Juni – eine gemütliche Gastwirtschaft mit Getränken und einfachen Speisen wie Bratkäse und Zvieriplättli. Frisch gestärkt begaben wir uns auf den Abstieg zur Unteren Musenalp und weiter zu den Bärenfällen. Dort verengt sich der Weg und wird für ein kurzes Stück recht steil, jedoch gesichert mit Drahtseilen und darum ungefährlich. Nun folgten wir der Route Richtung Tannibüel. Hier trafen wir auch Rita und Uschi, die ihre Knie nicht so strapazieren wollten und eine einfachere Route wählten. Von der Klewenalp (1593 m ü. M.) ging es mit der Seilbahn hinab nach Beckenried.

Ich hatte mir als Nachtessen Spaghetti gewünscht, und wirklich wird mein Wunsch an diesem Abend erfüllt. Wunderbar! Heute Abend wollten wir eine andere Dorfbeiz kennen lernen. Wir genehmigten uns den Schlummertrunk im „Rössli“.

Dienstag, 30. August

Wir trafen uns zum Abmarsch um 8.30 Uhr bei strahlend blauem Himmel. Mit dem Postauto ging es nach Stans. In der Bahnhofunterführung mussten wir noch über Bretter balancieren, das Hochwasser war nicht vollständig zurückgegangen. Wir stiegen in Stans in den Zug nach Dallenwil. Dort klappte die Verbindung vorzüglich: Wir wurden von einem kleinen Bus, gerade richtig für unsere Gruppe, abgeholt und an die Seilbahn nach Wirzweli geführt. Der Chauffeur war begeistert, dass wir den Arvigrat erklimmen wollten. Das sei auch seine Lieblingstour.

Einige unserer Gruppe wollten lieber die leichtere Strecke bewältigen mit dem Ziel „Franzosen Kapelle“. Markus erzählte uns noch etwas über diesen historischen Punkt. Franz wusste etwas zu erzählen über Nidwaldner Söldner. Die Fürsten Europas warben die erfolgreichen Eidgenossen als Söldner an, das waren die sogenannten Reisläufer.

Das Ziel Arvigrat musste schwer erkämpft werden, es ging steil und steiler hinauf – ich lag „in den letzten Zügen“. Aber wir trafen schöne Vegetation an: Enziane und Fluhblumen, und oben auf dem Arvigrat (1955 m) waren wir überwältigt vom grandiosen Panorama. Nach allen vier Himmelsrichtungen schweifte unser Blick – und dann natürlich der obligate Gipfelkuss...

Arvigrat

Auf dem Gipfel mit Blick hinüber zum Titlis hatten wir eine Mittagsrast verdient. Aber mir war es nicht so geheuer (Angsthase!) dort oben zu picknicken, ich brachte keinen Bissen hinunter, als ich den Gratabstieg vor mir sah und Markus uns noch von einer „Felsenkletter-Partie“ erzählte. Auch Lisbeth wurde bleich, als Walter Ziegler sich einen Schritt vom Grat auf der steilen Wiese einen Platz suchte. Bald begaben wir uns auf den Abstieg. Majda betreute mich vorbildlich, so dass ich ganz stolz war, auch diese Gratwanderung – die erste für mich – bewältigt zu haben – ich fand sie sogar noch interessant und spannend. Auch Elisa, als fast 75-jährige, müssen wir ein Kränzchen winden: in der einen Hand den Spazierstock und das „Schweisstuch“, in der anderen ihre Tranksame. „Elisa, du kannst stolz auf dich sein, ich bin es auch, dass du zu unserer Wandergruppe gehörtest!“

Im Berggasthaus Gummenalp (1580 m. ü. M.) kehrten wir ein, um den Durst zu löschen. Markus „spendierte“ sich gleich zwei „Migi-Most“, seine favorisierte Marke. Die Frauen waren mit einer Coca-Cola zufrieden. Von hier aus hatten wir wieder einen herrlichen Blick aufs Stanserhorn (das wir wegen der Hochwasser-Katastrophe nicht besteigen konnten), Vierwaldstättersee und Engelbergtal. Hinab liefen wir grösstenteils auf dem „Geo-Weg“ bis Wirzweli. Auf unseren Wanderungen sahen wir öfters eine Ansammlung von Pilzen, sie zeigten sich wie mit Schuppen belegt. Es ist der Schopftintling, ein guter Speisepilz. In Wirzweli gab es noch etwas „Action“  für die Mutigen. Mit der Fahrkarte des  Seilbähnli hatte man eine Gratis-Fahrt mit der Sommer-Bobbahn, was auch einige von uns ausnützten.

Der Wettergott zeigte sich heute von seiner prächtigen Seite, so dass für uns heute im Hotel-Garten, direkt am Vierwaldstättersee, gedeckt war. Elisa feiert am 12. September ihren 75. Geburtstag, und so lud sie uns ein, mit ihr bei einem feinen Glas „Weissen“ auf ihren Ehrentag anzustossen. Aber die Überraschungen dieses Abends nahmen kein Ende... Walter Ziegler hatte seine Schwyzerörgeli-Freunde eingeladen, zusammen mit einem Bassgeiger, um den schönen Abend mit Musik ausklingen zu lassen. Margret und Elisa wagten sogar ein Tänzchen – Markus und Franz, unsere „Chefs“, mussten sich „opfern“.

War das ein spannender und schöner Tag – Arvigrat und Abendunterhaltung!

Mittwoch, 31. August

Heute fuhren wir bis Stansstad. Zuerst führte uns der Weg vorbei an der Schindlerkapelle (1964/65). Die hl. Maria soll beschützend sein für die Lopperdurchfahrt. Wir hatten uns am reichen Frühstücksbuffet wieder gut gestärkt, so dass der heutige Aufstieg nicht so in die Beine ging wie gestern zum Arvigrat, aber es doch 400 Höhenmeter zu bewältigen waren. Kurz vor dem Aufstieg meinte Elisa: „Ich darf nicht luegen – eine Bank!“ Hinab führte die Tour nach Alpnachstad. Hier bekamen wir zu sehen, was die Hochwasser angerichtet hatten. Um nach Alpnachdorf zu gelangen, konnten wir noch nicht dem Seeufer entlang gehen, es stand noch alles unter Wasser. Aber Markus machte es möglich! Wir kraxelten durchs Gestrüpp, blieben hier und da etwas hängen. Von den Wanderern, die heute kurze Hosen trugen, hörten wir ab und an ein „Au“ rufen. In Alpnach Dorf fanden wir eine nette Beiz unter grossen Kastanienbäumen. Die meisten wollten nur ihren Durst löschen, andere verzehrten eine Pizza.

Nach der schönen Rast ging es vorerst weiter zum Wichelsee. Er führte viel Wasser. Wir bewunderten die wunderschönen Ufer – das Gebiet steht unter Naturschutz.

Wichelsee

Aber das letzte Ziel heute sollte Kerns sein. Wir schauten uns hier die Wallfahrtskapelle Maria Siebeneich an und hatten auch noch Zeit für einen Einkehrschwung. Es war heute ein heisser Tag, so dass wir immer wieder das Bedürfnis hatten, unseren Durst zu löschen, sei es mit Cola, Migi-Most, Milch oder Kaffee. Das Postauto brachte uns nach Stans, wo wir umsteigen mussten. Unterwegs sahen wir viele Abrisse an den Hängen vom Hochwasser, denn Alpnach ist sehr stark betroffen von der Katastrophe.

Wie jetzt jeden Abend, nahmen wir das Nachtessen im Hotelgarten ein. Heute herrschte besonders schöne Stimmung, fast Alpenglühen – immer mit den Mythen im Blickfeld und dem Vitznauer- oder Gersauerstock.

Donnerstag, 1. September

Heute mussten wir keinen Wecker stellen, die Abfahrt war erst auf 10 Uhr angesetzt. Der Bus brachte uns bis Stans und dann weiter nach St. Jacob. Wir wanderten eine grosse Strecke auf dem Jacobs-Weg, vorbei am „Mai Chäppeli“ 630 m. ü. M. Wir kamen an einem richtigen Pilger-Stibli vorbei. Es stand ein Kässeli parat, und jeder entrichtete seinen Obolus für das Verzehrte. Ich erstand eine schöne Jacobs-Muschel, denn vielleicht begebe ich mich einmal mit Freundinnen auf den spanischen Jacobs-Weg nach Santiago de Compostela. So habe ich mit der Muschel schon einen Teil der Ausrüstung... Im Garten des Restaurants „Alpenblick“ gab es den ersten Einkehrschwung. Wir unterhielten uns mit der Serviertochter. Als wir ihr von unserem Vorhaben berichteten, die Kapelle von Bruder Klaus zu besuchen, zweifelte sie es an, dass der Weg bereits frei sei... Also machten sich Markus und Fritz mutig auf den Weg zum Auskundschaften, obwohl oben bereits markiert war: Weg gesperrt. Aber sie steckten bald bis zu den Knöcheln im Schlamm und hatten kein Glück, die Kapelle von Ranft zu erreichen: Die Brücke war weggerissen, es war kein Durchgang möglich.

Also blieb es uns verwehrt, die Kapelle von Nikolaus von der Flüe oder Bruder Klaus (1417-1487) zu besuchen. Er war ein Schweizer Einsiedler, Asket und Mystiker. Er wurde in eine Obwaldner Bergbauernfamilie geboren, nahm 1440-1444 als Offizier am Alten Zürichkrieg teil. Nach dem Krieg heiratete er Dorothea Wyss, mit der er zehn Kinder hatte. Er lebte als für damalige Verhältnisse wohlhabender Bauer, war Ratsherr des Kantons und Richter seiner Gemeinde. 1467 verliess er seine Familie (das Jüngste war noch kein Jahr alt, sein ältester Sohn jedoch schon zwanzig, so dass er als Bauer die Familie ernähren konnte) – mit dem Einverständnis seiner Frau, um Einsiedler zu werden. Auch heute noch hat der Mystiker in esoterischen und tiefenpsychologischen Kreisen eine gewisse Bedeutung. Auch Carl Gustav Jung beschäftigte sich mit ihm. Er lebte ein intensives Gebetsleben. Er soll für den Rest seines Lebens ausser der Eucharistie nichts zu sich genommen haben, lediglich das frische Quellwasser eines nahen Bachs als Nahrungsersatz zu sich genommen haben, was vom Bischof untersucht und bestätigt wurde. Er war bald weithin bekannt als Seelsorger und geistlicher Berater.

Gebet des Bruder Klaus:

Mein Herr und mein Gott, nimm alles mir, was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich führet zu dir.

Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.

Bruder Klaus wurde 1669 selig, aber erst 1947 heilig gesprochen.

Sein Grab und seine Einsiedelei wurden schon bald nach seinem Tod zu einem der wichtigsten Pilgerorte der Schweiz.

Wir erwanderten heute noch ein Ziel: die Hohe Brücke. Die höchste Holzbrücke ihrer Art, ca. 100 m, ist zwischen Sarnen und Kerns gelegen. Die Brücke ist jetzt auf beiden Seiten abgedeckt mit Drahtnetzen, denn sie wurde immer wieder benutzt, um Suizid zu begehen. Im März 2003 warf eine Frau ihre zwei Kinder von der Brücke in die Melchaa. Vor kurzem war die Urteilsverkündung – danach hat die Frau Selbstmord begangen.

Ein Extrabus brachte uns von Stans wieder nach Beckenried.

Das Nachtessen konnten wir bei besten Wetterverhältnissen wieder im Garten einnehmen. Heute durften wir noch mit einem Geburtstagskind anstossen: Uschi feierte ihren 65. (Sorry, darf ich das sagen?)

Liebe Uschi, lass dich feiern heute,

es sagen Dank dir alle Wandersleute (für den feinen Weissen!)

Freitag, 2. September

Die Abfahrt war auf 9.30 Uhr angesetzt. Bevor der Bus kam, schauten wir noch auf den See – er war fast wieder sauber vom Schwemmholz. Es herrschte wieder „heile Welt“. Unser Ziel war heute Seelisberg. Der Weg führte über die Höch Flüe (1043 m ü. M.). Von hier aus sahen wir schon die Kirche von Seelisberg, es ist der nördlichste Ort im Kanton Uri.

Als wir durch Seelisberg wanderten, sahen wir natürlich den prunkvollen Sitz der MERU mit ihren Transzendentalen Meditationen. Es ist das Ziel der MERU, die volle Entfaltung des unendlichen Potentials, das im menschlichen Bewusstsein schlummert, zu beschleunigen. Dies bedeutet, dass es nicht aktiv ist. Es kann nicht aktiv sein, denn es befindet sich im Zustand der geringsten Anregung. Jeder Mensch kann die Technik erlernen, sein Bewusstsein für 15 Minuten morgens und abends diesem Zustand der geringsten Anregung zu öffnen und, wie es sich gezeigt hat, den Bereich aller Möglichkeiten in Schwingungen versetzen.

Aber nicht nur die „Gurus“ suchten sich einen besonders schönen Flecken der Schweiz für ihre Meditationen aus, auch der Märchenkönig Ludwig II. von Bayern war angetan von der einmaligen Gebirgswelt, welche den Vierwaldstättersee umschliesst, der urtümlichen und freundlichen Bevölkerung sowie den feinen und gesunden Speisen der Region. Nach dem Besuch des Freiheitsdramas „Wilhelm Tell“ von Schiller im Münchner Hoftheater am 18. Oktober 1865 wünschte der Märchenkönig Ludwig die Originalschauplätze dieses Dramas am Vierwaldstättersee persönlich kennen zu lernen.

Weiter führte die Wanderung vorbei am Schloss Beroldingen (864 m ü. M.). Es wird von einer Dame genutzt als Künstleratelier. Ich sah sie einmal in einer Fernsehsendung, wo sie über ihr Leben berichtete.

Schloss Beroldingen

Bald erreichten wir den Gedenkstein von P. Alberik Zwyssig (1808-1854). Er ist der Komponist des Schweizerpsalms.

Bevor wir die schöne Fahrt mit dem Raddampfer „Unterwalden“ geniessen konnten, musste diese noch „erkrampft“ werden. Es führten mehr als tausend Treppen ans Seeufer. Gab es da wohl Muskelkater? Die Schifffahrt führte uns von Bauen nach Beckenried.

...und wie jeden Abend klang der Tag aus mit einem gemütlichen Nachtmahl im Hotelgarten. Heute durften wir mit einem speziellen Gönner aus der Ferne anstossen. Ernst, der Freund von Vreni, hatte uns grosszügigerweise einen grossen „Batzen“ per Post gesandt – dafür floss der „Rote Twanner“  in vollen Zügen.

Samstag, 3. September

Heute war die Abfahrt auf 8.30 Uhr angesetzt. Vorher musste alles Gepäck im „Säli“ des Hotels verstaut werden, denn wir wollten den Tag noch voll ausnutzen mit einer schönen Tour. Drei Mutige von uns, Yvonne, Lisbeth und Franz, wollten heute ein besonderes Erlebnis wagen: Tandemflug mit einem Gleitschirm.

Neugebauers hatten sich heute als Ziel gesetzt, doch noch den „Bruder Klaus“ zu besuchen, bevor sie mit dem Privatauto direkt heim fuhren.

Der Bus brachte uns nach Emmeten. Von dort führte uns eine Luftseilbahn in die Höhe zur Station Niederbauen (1564 m ü. M.). Wir hatten bald einen schönen Blick hinüber zum Urirotstock mit Schneefeld. Markus machte uns darauf aufmerksam, dass es viele Meter hinab zu bewältigen gebe. So wollten Margret und Rita lieber den bequemeren Weg wählen. Aber bis wir den Weg in die Tiefe einschlagen konnten, galt es noch einen steilen Aufstieg zu meistern – alle hatten nicht damit gerechnet, selbst Markus nicht. Er meinte, der Weg führe unten durch. Kannst denken! Aber beim Abstieg wurden wir mit einem fantastischen Panorama belohnt. Es war noch ein schöner Abschluss unserer tollen Wanderwoche!

Den grössten Plausch heute hatten natürlich die „Gleitschirmflieger“, sie schilderten voller Begeisterung ihr Erlebnis. Mutig, mutig!

Von Beckenried aus fuhren wir wieder mit dem Schiff nach Luzern. Wir hatten nur einige wenige Minuten zum Umsteigen auf den Zug – aber geschafft. Alle hatten gestresst, und es hatte sich gelohnt. Der Zug hielt sogar in Baar und Zug, wo wir uns von Markus, Lisbeth und Walter bereits verabschiedeten.

Es waren wieder wunderbare Tage mit Markus und Franz als Tourenleiter, alles hat geklappt – niemand ist zu Schaden gekommen. Das Wetter hat natürlich bestens mitgemacht – und das nach der Katastrophenwoche. Ja, wenn Engel reisen, lacht der Himmel!

Unsre Wanderwoche in der Schweiz,
hatte heuer ihren besonderen Reiz.
Man wusste nie, ob der Berg noch hält,
oder ob er in den Bach abfällt.
Der Arvigrat war recht happig,
manch andre Tour sehr lässig.
Etwas prekärer war Flüeli-Ranft,
weggeschwemmt die Brücke sanft.
Mussten von Seelisberg hinab nach Bauen,
über tausend Treppen verdauen.
Lieber Markus, wir danken für die tolle Zeit,
es waren die schönsten Erlebnisse weit und breit.

Heike