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Bericht von Heike

Donnerstag, 20. Mai

Bei herrlichem Sommerwetter versammelten sich 13 Personen am „Treffpunkt“ Zürich HB zur Fahrt nach Gossau SG. Markus Steiner hatte die Wandertage wieder für uns organisiert. Erika gesellte sich erst in Winterthur dazu. In Gossau bestiegen wir die Appenzeller Bahn, die uns an unser Ziel – Appenzell – brachte. Vom Bahnhof aus mussten wir noch einen kleinen Fussmarsch zu unserem Hotel „Appenzell“ am Landsgemeindeplatz zurücklegen. Dadurch erhielten wir bereits den ersten Eindruck vom schönen Ort Appenzell (785 m ü. M, ca. 5000 Einw.), dem Hauptort von Innerrhoden mit dem Landsgemeindeplatz, der umgeben ist von bunt bemalten Fassaden typischer Holzhäuser. Auf dem Hauptplatz versammeln sich die stimmfähigen Bürger am letzten Aprilsonntag zur Landsgemeinde. In einem der schönen Häuser, im Hotel „Appenzell“, bezogen wir unser Quartier. Wir waren sehr beeindruckt von dem wunderschönen Haus mit den herrlichen Holzschnitzereien. Wir fühlten uns sofort wohl. Um elf Uhr mussten wir bereits wieder parat sein zur ersten Wanderung. Die Sonne strahlte – wie wir auch!

Unser erstes Wanderziel war die Burgruine Clanx. Markus wusste auch hier wieder etwas zu erzählen. Um 1848 herrschte grosse Armut in Appenzell. Es wanderten Appenzeller nach Russland aus und baten den Zaren um Hilfe, ihnen Weizen zu liefern. Weiter ging die schöne Wanderung bergauf – bergab, mit Blick auf den Hohen Kasten und den markanten Säntis, und die „gelben Wiesen“, Löwenzahn in voller Blüte, verziert mit blauen Vergissmeinnicht. Unser Ziel war Gais. Dieses Dorf ist schon seit dem 18. Jahrhundert ein bekannter Kurort, wunderbar gelegen am Rande einer weitläufigen Hochebene zwischen Gäbris und Hirschberg. Die Bevölkerung hier sei „bodenständig, aber nicht rückständig“. Ausserrhoden ohne Gais wäre wie eine Sonne ohne Untergang. Die Höhenlage von Gais –  938 m ü. M. – ist speziell geeignet für Kuren von Herzpatienten. Wir hatte einen Durstlöscher verdient und liessen es uns im Café „Rhän“ wohlsein. Mit der Bahn ging es wieder zurück nach Appenzell.

Wir waren heute doch über fünf Stunden gewandert und freuten uns auf einen Apéro im Hotelgarten. Der „Weisse“ war wirklich ein Aufsteller – so richtig zum Weitermachen beim feinen Nachtessen. Unsere Gruppe durfte das Abendessen in dem wunder­schönen Saal des Hauses einnehmen. Es war anscheinend einmal die Wohnstube eines bekannten Appenzeller Arztes. Wo nehmen wir den Schlummer­trunk ein? Das „Rössli“ bot sich natürlich an. Auch wieder eine grossartige, getäferte Wirtsstube! Wir liessen unseren Blick schweifen: Eine alte Uhr, ein Appenzeller Schrank, ein wunderschöner Kupferkessel zierten die ge­mütliche Stube – und erst noch eine schöne Serviertochter mit Appenzellerdialekt! Bei einem Appenzeller Alpenbitter liessen wir den schönen Tag ausklingen – Mili meinte: Aber einen Rechten, nicht so einen Verdünnten. Sie muss es wissen, sie ist schliesslich Appenzellerin.

Freitag, 21. Mai

Heute Morgen war bereits relativ früh Tagwacht. Markus hatte eine grössere Tour vor, und das Wetter zeigte sich unbeständiger als am Auf­fahrtstag. Nachdem wir uns am reichhaltigen Frühstücksbuffet gestärkt hatten, trafen wir uns kurz nach acht Uhr zum Abmarsch vor dem Hotel, eingedeckt mit Regen­utensilien. Wir wanderten auf Teersträsschen, später durch kurz gemähte Wiesen, vorbei an Gehöften mit blühenden Obstbäumen – es mutete an, als würde man durch die Kalenderbilder von Susanna Kuratli wandern, die das Appen­zell mit ihrer naiven Malerei bekannt gemacht hat – über Steinegg zur Ausflugs­gaststätte „Eggli“ (1192 m ü, M.). Der Gasthof ist weitherum bekannt für seinen Streichelzoo. Der Wirt hält Ziegen, Esel, Haflinger, einen Bernhardiner, auch Enten, Gänse und schottische Hochlandrinder mit zotteligen Haaren. Wir hatten den Eindruck in diesem Restaurant, als hätte eine Bastelklasse  hier ihre „Kunstwerke“ ausgestellt. Auf den Fensterbänken und überall, wo Platz zum Aufstellen war, zeigten sich „kitschige“ Dekorationen, sorry. Selbst den Oster­hasen hatten sie vergessen abzuräumen. Wir erfrischten uns mit Ovomaltine, Kaffee oder die ganz unentwegten mit einem Bier und waren bald zum Weiterwandern parat.

Eggli und der Alpstein

Über Alpen führte der Weg weiter, dem Hang entlang leicht ansteigend Richtung Forstseeli. Im Rücken lag der mächtige Alpstein mit Säntis und Altmann, und bald öffnete sich ein weiter Blick über die Rheintaler Ebene und die Gipfel Vorarlbergs. Am Forstseeli angekommen, war eine gute Stunde seit dem Eggli vergangen. Der dunkle Forst mit Fichten, Birken und Erlen ist von Binsengewächsen völlig verwuchert, der feuchte Moosboden (Schwamm) dämpft jeden Schritt. Schwamm ist jedoch nicht gleich Schwamm. Unser Ziel war die „Montlinger Schwamm“ (1131 m ü. M.). Ab und an nieselte es ein wenig, aber kaum von Bedeutung. Am Ziel angekommen genossen wir den wunderbaren Most – süssen und sauren – frisch vom Fass. Er ist hier eine Spezialität, wie auch das Bier vom Locher-Bräu „Quöllfrisch“ os em Appenzöllerland und die bekannten Älplermakronen Wir entdeckten eine Holzfigur, den „Heiligen Wendelin“, Schutzpatron der Hirten und Bauern. Eine Augenweide ist an der Hausfassade: Kühe stehen in Reih und Glied mit Ziegen, Sennen­hunden, Älplern und Hirtenkindern. Der unbekannte Holzschnitzer hat dabei jeder Figur einen eigen Ausdruck verpasst.

Weiter ging es auf Naturstrassen über Kobelwald zum Weiler Moos und zur Bushaltestelle hinunter. Im Restaurant „Schäfli-Moos“ gab es noch einen guten Kaffee bis zur Busabfahrt. Es waren alle etwas müde, denn es waren doch wieder über fünf Stunden Marschzeit – für Mili waren es sogar sechs Stunden (wahrscheinlich nach ihrem Befinden). Bis dahin hatten wir so Glück mit dem Wetter – kaum ein Tropfen. Als wir an der Bushaltestelle standen, entlud sich ein Gewitterregen. In der Ferne hörte man schwachen Donner grollen. Aber wir sassen jetzt im Trockenen im Bus, und anschliessend brachte uns die Appen­zeller­bahn wieder an unser Ziel Appenzell.

Heute Freitag wurden wir mit einem wunderbaren Fischmenü verwöhnt. Fisch muss ja bekanntlich mehrmals schwimmen. So liessen wir den Abend ausklingen im „Rössli“ bei einem feinen Schlummer­trunk...

Samstag, 22. Mai

Als wir am Frühstückstisch sassen, tauchte bereits Johann auf. Er hatte am Freitag arbeiten müssen und wollte doch das Wochenende mit uns zusammen verbringen. Leider regnete es. Die Wanderung führte heute direkt von Appenzell nach Schlatt. In Schlatt konnten wir eine schöne Kirche bewundern. Sie war bereits geschmückt für eine Hochzeit am Nachmittag. Auch im Restaurant, wo wir unseren Durst löschten, waren die Hochzeitsvorbereitungen bereits getroffen, aber wir waren trotzdem willkommene Gäste, um den Durst zu löschen – sogar mit „etwas“ dreckigen Wanderschuhen.

Schlatt

Die ursprünglich spät­barocke Kapelle St. Josef in Schlatt stammt aus dem Jahr 1794. Sie wurde 1911/12 durch einen Neubau ersetzt

Im Inneren sieht es sehr klassizistisch aus. In der rechten Seitenkapelle befindet sich ein Marien­bild. Es ist einen Kopie des Mariahilfbilds von Lucas Cranach aus der Renaissancezeit.

Für den Abstieg nach Teufen, über Baumwurzeln und glitschige Steine, waren heute Wanderstöcke nötig, auch bei mir, nachdem uns bereits der Wirt vom Hotel „Appenzell“ auf diese rutschige Passage aufmerksam gemacht hatte.

Wir waren jetzt doch einige Stunden marschiert und freuten uns auf einen kleinen Imbiss. Wir hatten bald ein gemütliches Beizlein in Teufen ausgesucht. Teufen, die Sonnenterrasse in dieser grünen Voralpenwelt, gilt als eines der schönsten Dörfer. Der nahe Hügelzug zwischen Bodensee und Säntis schirmt es vor rauen Nordwinden ab. Teufen kommt die Ehre zu, Europa vor mehr als zwei Jahrhunderten einen Pionier geschenkt zu haben. Der Brückenbauer Hans Ulrich Grubenmann aus der Baumeister-Familie Grubenmann genoss einen internationalen Ruf. Schon bei unserer letzten Pilgerwanderung nach Einsiedeln passierten wir die Teufelsbrücke von Grubenmann. Kaum hatten wir Teufen in Ausserrhoden erreicht, schrien die Ersten nach Appenzeller Siedwürsten, und wirklich konnte der Wirt die hungrigen Mäuler zufrieden stellen. Lange Zeit räumte man den Naturheilärzten in Ausserrhoden als einzigem Schweizer Kanton bedingungslose Praktizier­freiheit ein, und es wurde somit zum Paradies der Quacksalber und Kurpfuscher

Von Teufen aus brachte uns die Appenzellerbahn bequem heim. Heute waren wir wohl eine Stunde weniger unterwegs, ungefähr gut vier Stunden, und so reichte es uns noch für den Besuch im Heimat­museum (Rathaus) in Appenzell. Wir waren alle, sogar die Männer, begeistert von dem schön aufgemachten Museum. Es gab viel Interessantes zu bestaunen: die wunderschönen Stickarbeiten, Bilder mit Naivmalerei, Trachten, Handwerkszeug und vieles mehr. Besonders gefiel mir der hübsche Melkeimer – Appenzeller „Bödeli“ mit dem herrlichen Motiv des Alpaufzugs. Wir sahen uns noch ein Video an über die Landsgemeinde. Die Geschichte des Appenzellerlandes geht bis ins Mittelalter zurück. Zu der Zeit gehörte es zur Fürstabtei von St. Gallen. In schweren Freiheits­kämpfen sagte sich das eigenwillige tapfere Volk zu Beginn des 15. Jh. vom Abt los. 1513 trat Appenzell als letzter Kanton in die „dreizehnörtige Eidgenossen­schaft“ ein, deren Hoheitsgebiet sich bis zur Französischen Revolution nicht mehr änderte. Der Reichtum in früheren Jahrhunderten war der blühenden Textilindustrie zu verdanken. Herrschaft­liche Häuser mit geschweiften Giebeln verleihen heute noch mehreren Dörfern ihr Gepräge.

Wir freuten uns schon alle auf das tolle Abendessen, heute Samstag gab es ein Galamenü. Wir wurden wirklich verwöhnt!

Sonntag, 23. Mai

Sonntag heisst ja eigentlich ausschlafen, und wirklich hatte Markus die Tour erst auf 9.33 Uhr angesetzt. Wir stärkten uns am Frühstücksbuffet in aller Ruhe, stellten unser Gepäck parat für die heutige Abreise und fuhren mit dem Appenzellerbähnchen Richtung Jakobsbad, wo unsere Wanderung begann. Das Wetter war trocken und angenehm zum Marschieren. Es ging, wie gehabt, hinauf, über schöne Wiesen, voll mit gelbblühendem Löwenzahn, ab und an Knabenkraut, Vergissmeinnicht  Unser Ziel war ja die Hundwilerhöhe, also mussten wir einige Höhenmeter überwinden. Als wir im Bergrestaurant ankamen, strahlte die Sonne, und wir hatten einen weiten Blick ins wunderschöne Appenzellerland wie im Bilderbuch.

Hundwilerhöhe

Vom Aufstieg waren wir durstig geworden, und so mundete den meisten von uns der kühle Weisse bestens – schliesslich war heute Sonntag, da durfte es schon etwas luxuriöser zugehen... Nach einiger Zeit waren wir durchgefroren auf der Terrasse und beschleunigten den Abstieg nach Gontenbad, um wieder warm zu bekommen. Es war wieder eine schöne Tour über blühende Wiesen! In Gontenbad stärkten die meisten sich mit einer Kleinigkeit, nur Johann wollte sich im Hotel „Appenzell“ mit Kuchen verwöhnen. Er „drohte“ dem Markus: Wenn wir das Café „Appenzell“ zu spät erreichen, und das feine Süsse ausverkauft ist, „kill“ ich dich. Er erzählte auch von einigen Rezepten seiner feinen Bäckerei daheim. Vielleicht dürfen wir sie irgendwann einmal probieren, hallo Johann?

Als wir im Hotel „Appenzell“ ankamen, um Adieu zu sagen, waren wir, glaube ich, alle etwas traurig. Es waren wirklich gelungene Wandertage! Alles hat gestimmt! Das reizende Wirtepaar verwöhnte noch jeden von uns mit einem Biber als Souvenir, und Markus bekam ein Fläschchen vom Appenzeller Alpenbitter überreicht.

Ich habe mir noch ein schönes Geschenk gemacht und den „Appenzeller Schellenursli“ gekauft mit schöner naiver Malerei von Albert Manser. Es ist seine Geschichte: Albertli – ein Appenzeller Bauernbube.  Eigentlich müsste es „Albetli“ heissen, denn die Appenzeller sprechen das „r“ nicht.

Markus, Du warst wieder super! Du hast ein wunderbares Quartier gebucht, die Touren im Appenzellerland waren sehr gut ausgewählt – aber auch ein Dank an die Gruppe: Ihr wart ein lustiger „Haufen“!

Heike