Lötschberg Nord und Südrampe

14. September 2013,  Bericht: Esther

Trotz durchzogener Meteo-Prognosen schien die ganze Schweiz unterwegs zu sein, entsprechend gross war das Gedränge im Bahnhof und in den Zügen. Dank Reservation hatte unsere Gruppe von 11 Wanderfreunden und –freundinnen einen Sitzplatz auf sicher, für die Strecke ins Kandertal sogar in 1. Klasse! In Reichenbach i.K. wartete schon das Postauto nach Ramslauenen in Kiental, auf 925 m ü.M. Weitere knapp 500 Höhenmeter wurden per Sesselbahn überwunden, ehe wir uns auf der Terrasse des Berghauses mit langersehntem Kaffee und feinen Gipfel stärken konnten. Energie brauchten wir auch, denn nachdem auch die schöne Aussicht auf Niesen und Thunersee gewürdigt worden war ging es los auf der langen Tour vom Kiental ins Kandertal auf der Lötschberg Nordrampe. Der Wegweiser zeigt an: 6 Stunden bis Kandersteg.  Die Route folgt meist der Höhenkurve mit wenigen kurzen Auf- und Abstiegen. Wald wechselt sich ab mit Alpweiden, einzelne schöne Alphütten mit reichem Blumenschmuck, und immer wieder die herrliche Aussicht auf die frisch verschneiten Gipfel der Blüemlisalpgruppe, auch das Morgenberghorn zeigt sich am Horizont. Beim Höreli wechselt die Richtung, wir sind jetzt hoch über dem Kandertal, unten tauchen die Züge bei Frutigen in den Lötschberg-Basistunnel, andere queren den Viadukt und gewinnen in Kehrtunnels an Höhe. Die Aussicht ist immer spektakulär. Unterwegs laden schöne Picknickplätze zum Rasten ein, beim Forsthaus entdecken wir endlich auch den Blausee, versteckt unten im Wald. Schellengeläut kündigt vom Viehabtrieb, auf einer Alp sind Esel, Ziegen und Kühe bereit zur Rückkehr ins Tal. Der Weg ist gut gewartet, erfordert aber stete Konzentration über Wurzeln und Steine oder Treppenstufen. Die wenigen ausgesetzten Stellen sind mit Drahtseilen gesichert. Dass das ganze Gelände aber immer in Bewegung ist, verrät ein mächtiger Steinbrocken mit Jahrzahl 2012, der auf seinem Weg etliche Bäume mitgerissen hat und die ihre abgesplitterten Stämme traurig in die Höhe recken.

Langsam spürten alle die Müdigkeit und freuten sich, dass die Zeitangaben auf den Wegweisern immer kürzer wurden. Endlich hiess uns der Holzbogen beim Büelbad Willkommen in Kandersteg und Yvonne führte uns schnurstracks zum Hotel Alpha Soleil, wo wir Quartier beziehen sollten. Erst gab es aber den wohlverdienten Schluck auf der Terrasse. Juniorchef und Bedienung hiessen uns herzlich willkommen. Bald trafen sich alle wieder frisch geduscht und hungrig zum Nachtessen. Der Menuevorschlag der Küchenbrigade fand allseits Zustimmung und was aufgetragen wurde, verdient höchste Anerkennung. Kompliment dem kreativen Koch! Der lange Tag forderte aber seinen Tribut und bald war Nachtruhe angesagt.

Am Sonntagmorgen taten wir uns am feinen Frühstücksbuffet gütlich, ehe wir durch stockdicken Nebel den Weg zum Bahnhof suchten. Leider waren wir nur noch zu zehnt, da auf Margrit zuhause ein Arbeiseinsatz wartete. Die Frage: wie ist das Wetter auf der andern Seite? wurde bald beantwortet. Im Wallis war es zwar bewölkt, aber (noch) trocken. In Hohtenn wurden wieder die Schuhbändel festgezurrt und die Rucksäcke geschultert. Vor uns lagen wieder knapp 6 Stunden Wanderzeit auf der Lötschberg Südrampe bis Lalden. Panorama und Vegetation unterschieden sich deutlich vom Vortag, es roch irgendwie südlich. Der angenehm zu gehende Wanderweg begleitet teils die Bahngeleise der Lötschberglinie, schlängelt sich auch um Kanten und Wiesenborde oder ist sogar aus dem Fels herausgehauen, ist aber nirgends ausgesetzt. Wir bewundern die hundertjährige  Ingenieurskunst der Viadukte, die nicht nur zweckmässig, sondern auch schön anzusehen sind. Schon folgen wir den Suonen, das Wasser sprudelt munter neben und unter uns. Bei der Rarnerchumme ist erstmals Einkehren angesagt. Beim Chrüterbeizli gibt’s Kaffee „avec“ mit grosszügiger Rahmhaube. Weiter geht’s durch Tunnels zum Bietschbachviadukt, den wir auf einer steilen Treppe erklimmen und queren. Imposant der Blick ins Tal hinein, eindrücklich auch die in den Fels gehauenen Suonenwege. Weiter führt der Weg abwechslungsreich den Suonen entlang, Wachholder duftet und stets begleitet uns das wunderbare Panorama über dem Rhonetal. Schwarznasenschaft mustern neugierig die Wanderschar. Leider meint es Petrus nicht mehr so gut mit uns und lässt nach dem Picknick das leichte Nieseln in Dauerregen übergehen. Nach 4 Stunden Marschzeit erreichen wir Ausserberg, als Trogdorf nach den Holzkänneln der Suonen benannt. Nachdem das Wetter sich nicht zu bessern anschickt, kehren wir in der Sonnhalde noch kurz ein und steigen dann zum Bahnhof hinunter, um die Heimreise früher als geplant anzutreten. Die Zugfahrt im Lötschberger bis Bern und dann nach Zürich verlief ohne besondere Vorkommnisse.

Ein wunderschönes, abwechslungsreiches Wochenende liegt hinter uns, danke Yvonne fürs Organisieren und Leiten und allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen für die tolle Kameradschaft.